Vor Spiel gegen Stuttgart : HSV: Das neue Wir-Gefühl

Jubelnde Spieler, feiernde Fans: So viel Zusammenhalt wie jüngst beim Heimspiel gegen Nürnberg war in dieser Saison rund um den HSV längst nicht immer zu  beobachten.
Jubelnde Spieler, feiernde Fans: So viel Zusammenhalt wie jüngst beim Heimspiel gegen Nürnberg war in dieser Saison rund um den HSV längst nicht immer zu beobachten.

Der HSV will den Aufschwung im heutigen Spiel beim VfB Stuttgart fortsetzen. Der verbesserte Teamgeist kann zum Trumpf im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga werden. Trainer Mirko Slomka hat dem Verein auf simple Weise wieder Leben eingehaucht.

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22. März 2014, 10:45 Uhr

Hamburg | Das Rezept, mit dem Mirko Slomka den Hamburger SV wieder konkurrenzfähig gemacht hat, ist kein kompliziertes. Im Gegenteil. Es ist so simpel, dass sich die Frage stellt, warum in der jüngeren Vergangenheit eigentlich keiner seiner vielen Vorgänger auf dieselbe Idee gekommen ist. Denn der 46-jährige Coach hat dem Bundesliga-„Dino“ nicht etwa mit einer geheimnisvollen fußballtaktischen Innovation Leben eingehaucht. Sondern schlicht damit, dass er seit seinem Amtsantritt Mitte Februar alle Personen rund um den vor kurzem noch als Chaosclub verspotteten HSV mit Lob eindeckt und fair behandelt – die Bosse, die Spieler, die Mitarbeiter, die Fans.

Mit Erfolg: Nach Monaten des Siechtums ist die Freude in den Volkspark zurückgekehrt. Ein neues Wir-Gefühl ist entstanden. Eines, das den HSV heute (15.30 Uhr) zu einem Erfolgserlebnis in der Bundesliga-Partie beim VfB Stuttgart – und im Mai zum Klassenerhalt – führen kann.

Vor allem der augenscheinlich verbesserte Teamgeist dürfte im weiteren Saisonverlauf zum Trumpf werden. Slomka ist es gelungen, aus dem wild zusammengewürfelten und charakterlich schwierigen Kader eine Einheit zu formen. Nicht zuletzt, indem er den Aussortierten und vermeintlich Untauglichen wie Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne, Robert Tesche, Jacques Zoua oder Petr Jiracek eine Chance gab. Und siehe da: Sie alle danken es mit ordentlichen Leistungen. „Bei Jacques Zoua zum Beispiel habe ich das Gefühl, dass er auch bei den Fans immer beliebter wird, weil sie sehen, wie hart der Junge arbeitet“, freute sich Slomka.

Nicht nur bei Zoua ist der Aufschwung sichtbar: In den vier Bundesliga-Spielen unter Slomka sammelte der HSV sieben Punkte (zwei Siege, ein Remis, eine Niederlage) und zeigte  – speziell gegen Dortmund und Nürnberg – zeitweise leidenschaftlichen und mitreißenden Fußball. Die Gegentorflut scheint beendet, der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz ist vorerst  gelungen. „Das  bringt Sicherheit, wir sind als Team stabiler geworden“, sagte Slomka.  Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier befand: „Der Sieg gegen Nürnberg hat gutgetan. So ein Erlebnis gibt Rückenwind für die ganze Trainingswoche.“

Grund zur Entwarnung gibt es allerdings  nicht. Die Abstiegsgefahr ist nach wie vor präsent, die Personalsituation (Lasogga fällt weiter aus) angespannt, die Auswärtsschwäche nicht behoben – der letzte Erfolg auf des Gegners Platz datiert vom 27. Oktober 2013 (3:0 beim SC Freiburg). „Das ist natürlich keine schöne Statistik“, gestand Slomka und ergänzte mit Blick auf den heutigen Gegner: „Mein Trainerkollege Huub Stevens legt viel Wert auf Disziplin und Ordnung. Ich erwarte eine kampfstarke Stuttgarter Mannschaft, die uns den Schneid abkaufen will. Aber das werden wir nicht zulassen.“ Sollten die Hanseaten beim direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt verlieren, droht ihnen bei noch acht ausstehenden Partien der erneute Sturz auf einen Abstiegsrang. „Wir haben nach wie vor eine massive Drucksituation“, so Slomka.

Anders als vor einem  Monat, als der Club kurz vor dem Kollaps stand, haben die Hamburger inzwischen aber auch eine konkurrenzfähige Mannschaft und ein Wir-Gefühl. Dank Slomka und seiner simplen Idee.

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