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Hamburg : HSH Nordbank zieht Bilanz – und macht Gewinn

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Der boomende Immobilienmarkt hat der HSH Nordbank eine satte Zunahme im Neugeschäft beschert.

Hamburg | Die HSH Nordbank hat im vergangenen Jahr erstmals seit 2010 wieder Gewinn gemacht. Wie Vorstandschef Constantin von Oesterreich gestern in Hamburg sagte, lag das Plus nach Steuern bei 160 Millionen Euro, nach einem Verlust von 769 Millionen Euro im Jahr zuvor. „Das ist natürlich ein gewaltiger Swing. Wir haben wie versprochen geliefert und sind operativ deutlich besser geworden“, betonte der Bankchef.

Hauptursache für die Entwicklung sei eine Zunahme des Neugeschäfts um rund ein Viertel auf 9,5 Milliarden Euro. Die meisten neuen Kredite vergab die gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein auf dem boomenden Immobilienmarkt, auch die Neugeschäfte in der Schifffahrt und bei Erneuerbaren Energien hätten sich gut entwickelt. Ein anderes Indiz des Aufwärtstrends ist die Verringerung der Risikovorsorge um fast drei Viertel auf 500 Millionen Euro.

Freilich goss Finanzvorstand Stefan Ermisch umgehend einen kräftigen Schluck Wasser in den Wein. „Wir werden ab 2019 voraussichtlich 2,1 Milliarden Euro aus der Zweitverlustgarantie der Länder in Anspruch nehmen müssen.“ Dieser Betrag, mit dem die beiden Bundesländer für Verluste ihrer Bank geradestehen müssen, hat sich damit um 500 Millionen Euro erhöht. Hauptursache dafür sei die Wertsteigerung des US-Dollars, jener Währung, in der die HSH ihre problematischen Schifffahrtskredite abrechnet.

Entschieden traten die beiden Top-Banker allerdings dem Eindruck entgegen, das Geldhaus falle dem Steuerzahlern im Norden damit zusätzlich zur Last. „Diese 2,1 Milliarden Euro an Garantiezahlungen haben wir im Grunde schon selber an die Länder bezahlt“, sagte Ermisch. Tatsächlich hat die Bank an die Eigentümer bisher 2,2 Milliarden Euro an Gebühren für den eingeräumten Garantierahmen von zehn Milliarden Euro abgeführt. Allein im vergangenen Jahr lag dieser Betrag bei rund 860 Millionen Euro.

Vorstandschef von Oesterreich betonte zugleich, dass diese Garantiegebühren die Bank übermäßig belasten. „Die Zinsen sind mit vier Prozent zu hoch.“ Derzeit verhandelt die Bank mit den beiden Bundesländern, dem Bund und der EU-Wettbewerbskommission über eine Neuordnung des komplizierten und teuren Garantiegebühren-Systems. Ziel der Nordbank ist eine spürbare Entlastung auf der Kostenseite. Eine Größenordnung nannten die Bank-Vorstände gestern mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

Dem Vernehmen nach hofft die Bankspitze in etwa auf eine Halbierung der jährlichen Grundprämie auf rund 200 Millionen Euro. Zudem wünscht die HSH weitere Erleichterungen bei Zusatzprämien für einen Totalausfall. Wie es aus dem Rathaus heißt, verschließt sich der Hamburger Senat einer solchen Erleichterung grundsätzlich nicht.

Der Ausgang des EU-Prüfverfahrens ist ohnehin von entscheidender Bedeutung für die Überlebensfähigkeit der Landesbank. Brüssels Wettbewerbshüter wollen bis zum Sommer darüber befinden, ob die Wiederaufstockung der Ländergarantien um drei auf zehn Milliarden Euro mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Ein Nein der EU-Prüfer käme dem Aus für die HSH gleich.

Die Verantwortlichen in der Bank sowie in den Landesregierungen hoffen, dass Brüssel die Garantien trotz Bedenken durchwinkt. Ermisch erwartet allerdings dennoch Auflagen in Form „chirurgischer Eingriffe“ ins Geschäftsmodell – also Beschränkungen der Bankaktivitäten. Nach früheren Angaben von HSH-Aufsichtsratschef Thomas Mirow erhofft das Institut von der EU zugleich wieder freiere Hand für Geschäfte im europäischen Ausland und beim Verkauf kritischer Schiffskredite. Die Altlasten aus dem Shipping-Portfolio bilden unverändert den mit Abstand größten Teil des Ausfallrisikos für die HSH.

Um überlebensfähig zu sein, will die Bank ihren Personalabbau fortsetzen. Die Zahl der Vollzeitstellen solle bis 2017 von knapp 2600 um weitere 500 sinken, sagte von Oesterreich. „Dabei schließen wir auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.“ Laut Staatsvertrag zwischen den Bundesländern verteilt sich der Stellenabbau in etwa gleichmäßig auf die Standorte Hamburg und Kiel. Die Streichungen seien notwendig, um die Verwaltungskosten von derzeit 630 Millionen auf 500 Millionen Euro zu senken, sagte der Vorstandsvorsitzende. Vor Ausbruch der Krise waren bei der Nordbank 5100 Menschen beschäftigt.

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erstellt am 01.Apr.2015 | 17:45 Uhr

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