Kommentar : HSH Nordbank: Blindflug durchs globale Finanzsystem

Die Länder gingen zu große Risiken ein – und verzockten so das Geld ihrer Steuerzahler.
Die Länder gingen zu große Risiken ein – und verzockten so das Geld ihrer Steuerzahler.

Das Drama um die HSH Nordbank ist ein Kollektivversagen – möglich durch Dilettantismus. Ein Kommentar von Markus Lorenz.

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28. Februar 2018, 20:19 Uhr

Es fällt nicht schwer, die Verantwortlichen des milliardenschweren HSH-Debakels für Hamburg und Schleswig-Holstein zu benennen. Angefangen bei den damaligen Regierungschefs Heide Simons und Ole von Beust, deren Finanzministern beziehungsweise -senatoren bis hin zu den Nordbank-Vorständen, die der grassierenden Großmannssucht einer norddeutschen Regionalbank erlegen waren. Sie alle gingen viel zu viel Risiko auf Kosten des Steuerzahlers und brachten die Bundesländer an der Rand der finanziellen Existenz. Ein auch bundesweit beispielloses Versagen.

Im zynischen Banker-Sprech könnte man sagen: Elbphilharmonie, BER und Stuttgart 21 sind dagegen fast schon Peanuts. So weit ist die Analyse unstrittig. Doch die Nordbank-Katastrophe erzählt nicht nur von individueller Schuld. Sie liefert auch ein Lehrstück vom Nicht-Funktionieren des Politiksystems. Der teure Dilettantismus in einer Staatsbank – also einer im Besitz der Bürger – konnte nur um sich greifen, weil sämtliche Kontrollmechanismen entweder versagten oder gar ganz fehlten. Es war ein Blindflug durchs globale Finanzsystem, an den Steuerknüppeln Regierungen, die ihren Kontrollaufgaben nicht ansatzweise gewachsen waren, assistiert von fachlich unbeleckten Landesparlamentariern, die sich zu Stimmvieh machen ließen. Die Konsequenzen aus all dem? So gut wie keine. Die einstigen Regenten sind zwar abgewählt, juristische Folgen müssen sie freilich nicht befürchten. Das ist eben so bitter wie der Milliardenschaden selbst.

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