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Folgen der Finanzkrise : HSH Nordbank baut Altlasten schneller ab

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Nach der Finanzkrise hat das Institut risikoreiche Geschäftsfelder in einer sogenannten "Bad Bank" ausgelagert. Jetzt will die Bank bis Jahresende wesentlich mehr Portfolios abbauen, als mit der EU-Kommission vereinbart.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2014 | 13:56 Uhr

Hamburg | Die HSH Nordbank baut ihre Altlasten schneller ab als vorgegeben. Der mit der EU-Kommission bis Jahresende 2014 vereinbarte Wertbestand von 38 Milliarden Euro in der sogenannten Restructuring Unit wurde schon Ende 2013 mit 37 Milliarden Euro unterschritten. Bis Jahresende werden in der in der Abbaubank 30 Milliarden Euro angestrebt, teilte der HSH-Generalbevollmächtigte Wolfgang Topp am Montag in Hamburg mit.

In der sogenannten „Restructuring Unit“, die organisatorisch von der Kernbank getrennt ist, hat die HSH Nordbank im Jahr 2009 risikoreiche Geschäftsfelder ausgelagert. Dazu gehören in erster Linie eigene Spekulationen auf dem Kapitalmarkt sowie verlustreiche Geschäfte mit Immobilien und Containerschiffen. Insgesamt hat die HSH Nordbank damals Wertpapiere, Kreditengagements und Beteiligungen im Wert von 83 Milliarden Euro in diese „Bad Bank“ ausgelagert. Das machte rund die Hälfte der Bilanzsumme der Bank aus. Die Aufgabe der Restructuring Unit ist es ausschließlich, die unerwünschten Portfolios nach und nach abzubauen.  Dadurch sollen die Kernbank gestärkt und die Ressourcen effizienter genutzt werden.

Notwendig geworden war die Einrichtung dieser Bad Bank als Folge der Finanzkrise. Im Jahr 2008 vermeldete die HSH Nordbank einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro und konnte nur durch milliardenschwere Kapitalspritzen der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein vorm Zusammenbruch gerettet worden. Sie sind mit 85,5 Prozent am Institut beteiligt. Auch heute noch stützen die Länder die HSH Nordbank mit Sicherheiten, so genannten Ländergarantien, in Höhe von zehn Milliarden Euro. Davon muss die Bank, wie sie im April mitteilte, ab 2019 300 Millionen Euro mehr in Anspruch nehmen, als bisher geplant: Durch die Krise der Schifffahrt benötige sie jetzt 1,6 Milliarden Euro.

Die HSH Nordbank ist derzeit aber auch noch aus einem anderen Grund in den Schlagzeilen: Der Prozess gegen die frühere Vorstandsriege steuert nach zehn Monaten auf sein Ende zu. Am Mittwoch sollen die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger im Hamburger Landgericht ihre Plädoyers halten. Angeklagt sind sechs frühere Bankmanager der Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein, darunter der damalige Finanzchef und spätere Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher.

Die Ex-HSH-Manager sollen der Bank 2007 bei einem komplexen Kreditgeschäft, das unter dem Namen „Omega 55“ bekanntgeworden ist, einen Schaden von 158 Millionen Euro zugefügt haben. Dabei hätten sie ihre Pflichten verletzt und damit Untreue in einem besonders schweren Fall begangen, lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Auf der Grundlage seiner Unterlagen hätte der damalige Vorstand die Chancen und Risiken des „Omega“-Geschäfts gar nicht abwägen können. Durch die Transaktion sollte die Bilanz der Landesbank entlastet werden. Zwei der Angeklagten wird zudem Bilanzfälschung vorgeworfen.

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