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Halbjahresbilanz mit schwarzen Zahlen : HSH Nordbank arbeitet Altlasten ab

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Die HSH Nordbank kämpft sich Schritt für Schritt aus ihrer Existenzkrise vor sechs Jahren. Die Bank habe die Altlasten im Griff, so die Botschaft. Die Gewinnzone scheint nachhaltig erreicht.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 16:38 Uhr

Hamburg | Das Auf und Ab geht weiter - und die Nagelprobe folgt erst: Nach einem verheerenden Verlust im vorigen Jahr vermeldet die HSH Nordbank für das erste Halbjahr 2014 einen kräftigen Gewinn von 301 Millionen Euro nach Steuern - mehr als doppelt so viel wie im gleichen Vorjahreszeitraum (130 Millionen). Für das Gesamtjahr 2013 hatte die gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein sogar ein Minus von 814 Millionen ausgewiesen. Der aktuelle Aufschwung sorgte bei Vorstandschef Constantin von Oesterreich für gute Laune. Bei der Vorlage der Halbjahresbilanz sagte er gestern in Hamburg: „Wir haben heute schöne Zahlen zu zeigen.“ Nach der erfreulichen Zwischenbilanz bekräftigte er das Versprechen, die Bank werde Ende 2014 erstmals wieder ein Jahr in der Gewinnzone abschließen. Von Oesterreich: „Wir peilen eine schwarze Zahl an.“ Genauer wurde der Vorstandsvorsitzende nicht.

Wesentliche Gründe des Positivtrends sind laut HSH ein „margenstarkes“  Kundenneugeschäft, ein sinkender Verwaltungsaufwand sowie - vor allem - eine nahezu halbierte Risikovorsorge (von 463 auf 237 Millionen Euro.) Besonders erfreulich seien die Zugewinne in der Immobiliensparte, die für den Berichtszeitraum Abschlüsse in Höhe von 2,3 Milliarden Euro meldet. Von Oesterreich selbstbewusst: „Im Norden läuft bei Immobilien eigentlich nichts ohne uns.“ Während die Landesbank zudem als Financier von Projekten der Erneuerbaren Energien gute Ergebnisse registriert, fällt die Bewertung des Geschäfts mit Krediten für mittelständische Firmenkunden weniger gut aus. Von Oesterreich: „Alle Banken wollen Geschäfte mit dem Mittelstand machen, aber der Mittelstand will nicht so richtig.“ Die Unternehmen könnten sich oft auch aus eigener Kraft finanzieren.

Hauptsorgenkind der Nordbanker bleibt das Segment Schifffahrt. Nahezu die gesamte Risikovorsorge von 237 Millionen Euro entfalle auf Kredite für inländische Reedereien, berichtete Finanzvorstand Stefan Ermisch. Insgesamt stehen Schiffskredite von 20 Milliarden Euro in den Büchern, sechs Milliarden davon in der HSH-Abbaubank. Immerhin wollen die Nordbanker einen Silberstreif in der globalen Maritimwirtschaft gesichtet haben. Für 2015 erwarten sie „den Beginn einer spürbaren Erholung von Charterraten und Schiffspreisen“.

Derweil schreitet die planmäßige Schrumpfung der Landesbank voran, die 2008 von den beiden Bundesländern vor der Pleite gerettet werden musste. Die Bilanzsumme, die damals noch bei 208 Milliarden Euro gelegen hatte, ist nahezu halbiert (113 Milliarden). Parallel wird weiterhin Personal abgebaut. Von einst 4300 Mitarbeitern sind noch 2676 an den Standorten Hamburg und Kiel beschäftigt.

Die bangen Blicke des Bankvorstandes und der Landespolitiker richten sich nun zur Europäischen Zentralbank. Die EZB prüft derzeit Bilanzen und Krisenfestigkeit der 128 größten Banken in der Eurozone. Ermisch zeigte sich zuversichtlich, dass die HSH dabei "sehr deutlich" oberhalb der geforderten Kernkapitalquote liegen werde. Keine Einschätzung gab es von den Vorständen dagegen hinsichtlich des Stresstests, bei dem die EZB zusätzlich abklopft, ob die Geldhäuser eine neue Wirtschaftskrise überleben würden. Ermisch: "Nach welchen Kriterien die EZB das prüft, erfahren wir erst im Oktober." Die Ergebnisse erwartet die HSH dann Anfang 2015. Angesprochen auf Vermutungen, die Nordbank könnte beim Stresstest durchfallen, sagte der Finanzvorstand: „Gerüchte über die HSH gibt es seit 100 Jahren. Das kommentieren wir nicht.“

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