Neues Kreativquartier in Hamburg : „Hobenköök“: Vom Kartoffelacker direkt zum Oberhafen

Thomas Sampl (Hobenköök), Ulf Schönheim (Regionalwert AG Hamburg), Neele Grünberg und Frank Chemnitz (beide Hobenköök).

Thomas Sampl (Hobenköök, v.li.), Ulf Schönheim (Regionalwert AG Hamburg), Neele Grünberg und Frank Chemnitz (beide Hobenköök).

Ein neues Restaurant und eine Markthalle setzen voll auf die regionalen Produkte von nebenan.

shz.de von
10. Juli 2018, 15:58 Uhr

Hamburg | Das Oberhafenquartier mausert sich zusehends zum neuen Hamburger Szene-Viertel. In den ehemaligen Schuppen neben der Hafencity finden schrille Partys und kreative Events statt. Die traditionelle Oberhafen-Kantine wirbt mit Weißwurst und pittoresker Architektur. Jetzt springt auch das Agrarnetzwerk Regionalwert AG gemeinsam mit NDR-Koch Thomas Sampl auf den Trend auf.

Im August will Fernsehkoch Sampl seine „Hobenköök“ (Hafenküche) eröffnen, ein Restaurant, das seine Zutaten nicht aus Marokko, Neuseeland oder Brasilien bezieht, sondern direkt von Bauern aus dem Hamburger Umland. Doch damit nicht genug. Im langen Schuppen nur wenige Meter östlich der Oberhafen-Kantine entsteht zugleich eine 600 Quadratmeter große Markthalle, in der ebenfalls Bauern aus der Region ihre Kartoffeln, Äpfel oder Kohlrabi an die ökologisch orientierten Großstädter verkaufen. Ein Catering-Service kommt noch hinzu.

Damit gewinnt die vor vier Jahren gegründete Regionalwert AG einen zentralen Standort für die Produkte ihrer Partnerbetriebe wie Bauernhöfe und regionale Lebensmittelverarbeiter. Insgesamt plant Vorstand Ulf Schönheim, bis zu 200 Erzeuger aus dem Umland für die neue Markthalle zu gewinnen. Den Verkauf dort übernimmt das künftige Team der Hobenköök, damit die Bauern keine eigenen Stände betreiben müssen. „Das ist eine große Erleichterung für kleine Erzeuger. So müssen sie nicht an sechs Tagen in der Woche für Personal sorgen“, begründet Schönheim.

Regionale Lebensmittel: Ein Megatrend

Sein Netzwerk wird von 350 Aktionären unterstützt, die zusammen ein Grundkapital von 1,3 Millionen Euro eingebracht haben. Mit ihrem Geld unterstützt die Regionalwert agrarische Betriebe und bietet ihnen einen Verbund zum Austausch und zur Vermarktung ihrer Produkte in der näheren Umgebung. „Unsere Partnerbetriebe verpflichten sich auf soziale und ökologische Standards“, erläutert Schönheim. „Wertschöpfung, Arbeitsplätze und die guten Lebensmittel bleiben in der Region.“ 

„Regionale Lebensmittel sind ein Megatrend“, konstatiert Ulrich Hamm, Professor für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Universität Kassel. „Erstens assoziieren die meisten Menschen damit positive Eigenschaften wie Frische und Geschmack. Zweitens wollen sie ein Zeichen gegen die Globalisierung des Essens setzen“, sagte er im Deutschlandfunk. Doch unter Agrarexperten ist es nicht selten umstritten, was tatsächlich regional ist. Denn auch das Öl für den Traktor in Holstein kommt garantiert nicht aus Deutschland. Und wurde vielleicht die Elektronik für den Stall aus China importiert?

Doch das sind Feinheiten im Vergleich zu den argentinischen Supermarktsteaks. Die Hamburger lieben die Wochenmärkte, ihre Bio-Kisten von den Stadtrandbauern. Immer mehr Cafés und Restaurant werben mit regionalen Produkten sowie eigener Herstellung. An diesem Trend kommt auch das Oberhafenquartier nicht vorbei. Denn das kreative Milieu, das sich dort versammelt, legt allemal viel Wert auf trendigen Konsum und Exklusivität.

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