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Terminal Hamburg-Altona : Hier dockt die „Aidasol“ heute an der Steckdose an

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Hamburgs Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe geht in Betrieb. Es ist ein Vorzeigeprojekt für Europa, aber nur ein „Zwischenschritt“ für Umweltschützer.

Hamburg | Hamburg nimmt sein maritimes Vorzeigeprojekt für Kreuzfahrtschiffe in Betrieb. Im Hamburger Hafen ist die innovative Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe offiziell in Betrieb genommen worden. Die Anlage sei die erste ihrer Art in Europa, und Hamburg nehme damit eine Pionierrolle ein, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Die Anlage am Terminal Altona nahm am Freitag die Stromversorgung des Kreuzfahrtschiffes „Aidasol“ auf. Das Schiff kann nun während der Liegezeit im Hafen seine luftverschmutzenden Dieselgeneratoren abschalten. „Die Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe fördert die Nachhaltigkeit des Hamburger Hafens“, sagte Scholz.

Kreuzfahrtschiffe sind bei Urlaubern beliebt, doch bei Umweltschützern verhasst. Das Problem: Ihre Dieselgeneratoren verschmutzen die Luft. Doch dafür scheint es nun eine Lösung zu geben.

Ein wichtiger Zwischenschritt für die Verbesserung der Luftqualität im Hafen sei endlich abgeschlossen, hielt Hamburgs Nabu-Vorsitzender Alexander Porschke fest. Da die „Aidasol“ bisher einziger Abnehmer des Landstroms sei, forderte der Umweltschützer von der Politik konsequentere Vorgaben für Reedereien. „Wer nichts tut, muss für seine Umweltverschmutzung eine Abgabe zahlen.“ Andernfalls stehe die Nutzung der Anlage in einem „ungeheuren Missverhältnis zu den millionenschweren Investitionen, für die wir Steuerzahler aufkommen“.

Die Aidasol. /Archiv
Die Aidasol. /Archiv
 

Der Nabu-Chef monierte, dass derzeit kaum ein anderes Kreuzfahrtschiff für Landstromtechnik ausgerüstet sei. Normalerweise nutzt ein Hotelschiff im Hafen zur Stromerzeugung Marinediesel mit einem Schwefelgehalt von 0,1 Prozent. Nach Angaben des Nabu-Experten ist Landstrom pro Kilowattstunde vier mal teurer als der Kraftstoff.

Die Inbetriebnahme der Anlage, die 2014 in Bau ging, hatte sich aufgrund technischer Herausforderungen um ein Jahr verzögert. Sie muss die Stromfrequenz von 50 Hertz an Land auf die an Bord erforderliche Frequenz umwandeln (50 bis 60 Hertz). Die Hamburger Anlage kostete rund 10 Millionen Euro.

Das Hamburger Gesamtpaket der „Alternativen Energieversorgung Kreuzfahrt“ im zunächst kalkulierten Volumen von 14,4 Millionen Euro umfasst auch die Infrastruktur am Terminal Hafencity für die LNG-Barge, die über die Verbrennung von emissionsarmeren verflüssigtem Erdgas Strom für Schiffe liefert. Auch hierfür gibt es bislang nur einen Abnehmer, ebenfalls die „Aidasol“. In diesem Jahr erwartet Hamburg rund 160 Schiffsanläufe von mehr als 30 Kreuzfahrtschiffen.

Wie sieht es in Kiel und Rostock aus?

Die Landstromversorgung von Kreuzfahrtschiffen ist aus Sicht des Seehafens Rostock aus ökonomischer und ökologischer Sicht keine praktikable und langfristig sinnvolle Lösung. Sie würde in der Gesamtbilanz nicht zur Senkung der Schiffsemissionen beitragen, sagte Hafensprecher Christian Hardt. Die Summe aus dem Verbrauch von Ressourcen für den Bau einer Landstromanlage, der Zusammensetzung des Strommixes in Europa und der seltenen Nutzung dieser Technologie falle negativ aus. Sollte sich jedoch eine Kreuzfahrtreederei dazu entschließen, in eine Landstromanlage zu investieren, um die Emission ihrer Schiffe im Hafenbetrieb zu reduzieren, werde sich der Hafen damit konstruktiv auseinandersetzen.

Der Hafen Rostock beschäftige sich dagegen seit geraumer Zeit mit der Bebunkerung alternativer Schiffstreibstoffe wie Flüssiggas LNG, mit denen die Schiffsemissionen direkt an Bord minimiert werden können. Ende Februar wurde das erste Frachtschiff im Rostocker Überseehafen mit LNG versorgt.

Im Kieler Hafen ist Landstrom derzeit kein Thema. Diese sei bei allen Anlagen geprüft worden, sagte Seehafen-Sprecher Ulf Jahnke. „Aber es ist noch keine Wirtschaftlichkeit gegeben. Wir würden uns deshalb wünschen, dass Landstrom von der EEG-Umlage befreit werden würde.“ Dann wäre das Thema wirtschaftlich. Eine Alternative ist aus Sicht Jahnkes der Einsatz von Flüssiggas. „Wir sehen, dass sich die Reedereien mit dem Thema beschäftigen.“ Bei den beiden neuen Aida-Schiffen käme während der Liegezeit in Hamburg bereits LNG zum Einsatz. „Mit Tankladungen könnten wir sofort Schiffe mit Flüssiggas beliefern.“ Interessanter seien langfristig aber Hausgas-Anschlüsse.

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erstellt am 03.Jun.2016 | 13:51 Uhr

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