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Mit Kutte vor dem Michel : Hells Angel scheitert vor Gericht in Hamburg

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Thomas K. fotografierte sich in ortsfremder Hells-Angels-Kluft vor dem Michel. Danach schickte er das Foto an die Polizei. Darin sieht nun auch das Revisionsgericht einen Verstoß gegen das 1983 verhängte Verbot der „Angels“ in der Hansestadt.

shz.de von
erstellt am 07.04.2014 | 16:00 Uhr

Hamburg | Der Schuss ging nach hinten los: Ein Mitglied der Rockervereinigung „Hells Angels“ ist mit dem Versuch gescheitert, sich gerichtlich das Tragen der typischen „Kutte“ absegnen zu lassen. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) entschied am Montag in letzter Instanz, dass Thomas K. gegen das Vereinsrecht verstieß, als er 2011 eine Weste mit den Insignien der in Hamburg verbotenen Gruppe zur Schau stellte. Das Gericht wies die Revision des 50-Jährigen gegen seine Verurteilung vor dem Landgericht zurück. Damit ist ihm das Tragen der Kutte nun untersagt.

Thomas K., Szenename „Stuttgart-Tommy“, hatte es auf diesen Prozessmarathon angelegt. Im April 2011 ließ er sich vor dem Hamburger Michel in einer ärmellosen Jeansweste ablichten, auf der Rückseite ein stilisierter weißer Totenkopf mit Engelsflügeln. Darüber wölbte sich der Schriftzug „Hells Angels“, darunter stand der Zusatz „Harbour City“, ein nicht verbotener Ableger der Hamburger „Angels“. In der Hansestadt sind die Rocker als Verein seit 31 Jahren verboten und damit auch das Zeigen ihrer Symbole.

K. schickte das Foto an die Polizei. Die reagierte wie gewünscht und fertigte eine Anzeige, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Dann die Überraschung. In erster Instanz sprach ein Amtsrichter den Rocker frei.  Der Zusatz „Harbour City“ genüge für die Abgrenzung zum verbotenen Verein. Der Staatsanwalt ging in Berufung und obsiegte vor dem Landgericht. Die Weste wurde eingezogen. „Stuttgart-Tommy“ konterte mit einem Revisionsantrag.

In der Urteilsbegründung stellte das OLG fest, die von K. gezeigten Symbole seien identisch mit denen des ersten deutschen „Hells Angels“-Ortsvereins, der 1983 verboten worden war. Ihre öffentliche Verwendung sei nach Vereinsgesetz strafbar.

Auch in einem zweiten, ähnlichen Fall zog ein Anhänger der „Hells Angels“ am Montag den Kürzeren. Ebenfalls in einer Revisionsverhandlung hob das OLG den Freispruch für einen Mann auf, der ein T-Shirt mit Kennzeichen der Hells Angels getragen hatte. Der Rocker war im Juni 2011 als Zuhörer im Amtsgericht St. Georg in einem weißen T-Shirt erschienen, auf dem rote Hells-Angels-Aufdrucke und ein behelmter Totenkopf zu sehen waren. Das Landgericht sah darin keine Straftat, weil diese Symbole denen des verbotenen Hells Angels Motor-Club e.V. nicht zum Verwechseln ähnlich seien. Dieses Urteil sei „fehlerhaft begründet“, so die OLG-Richter. Der Fall wurde ans Landgericht zurückverwiesen, das diesen neu verhandeln muss.

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