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Tödliche Messerattacke in Hamburg : „Helden von Barmbek“ bekommen Preis für Zivilcourage

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Die Männer stellten den mutmaßlichen Täter und hielten ihn fest, bis die Polizei kam.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 18:18 Uhr

Hamburg | Sie werden als „Helden von Barmbek“ gefeiert, beteuern aber selbst, nur ihre Pflicht getan zu haben: Sechs Männer, die bei einer Messerattacke in Hamburg-Barmbek den Angreifer beherzt in Schach gehalten haben, wurden heute von der Polizei ausgezeichnet. Den mit insgesamt 3500 Euro dotierten Ian-Karan-Preis für Zivilcourage verliehen Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und der Vorsitzende des Polizeivereins Hamburg, Werner Jantosch.

Ihr Handeln habe dazu geführt, dass nicht mehrere Menschen gestorben sind, betonte Meyer. „Hier gibt es kein Wenn und hier gibt es kein Aber: Bei dieser Art des aggressiven Täters, der wie in Rage war, gab es nur diesen einen Weg ihn zu stoppen“, sagte der Polizeipräsident. Das sei gut und richtig gewesen und habe weiteres Leid vermieden. „Wir haben eben schon diskutiert darüber, wer sie denn sind“, berichtete Meyer über ein Gespräch mit den Männern vor der Verleihung. „Wir haben uns darauf verständigt, dass sie Barmbeker Männer und Jungs sind und als solche gehandelt haben.“

Polizeivereinsvorsitzender Jantosch zitierte unter anderem aus den Urkunden, die es „für beispielhaftes Engagement auf dem Gebiet der inneren Sicherheit“ gab. Ursprünglich waren sechs Auszuzeichnende angekündigt worden. Ein weiterer sei am Mittwoch nach einer weiteren Befragung dazu gekommen, hieß es. Preisstifter ist der Hamburger Unternehmer und Mäzen Ian Karan.

Die sechs Männer hatten den 26-Jährigen laut Ermittlern bei seiner Flucht gestellt und festgehalten. Der 26-Jährige hatte am vergangenen Freitag einen 50-Jährigen in einem Supermarkt getötet und mehrere Menschen mit einem Küchenmesser zum Teil schwer verletzt.

Der Messerangreifer hätte nach einem „Spiegel“-Bericht schon 2015 nach Norwegen zurückgeschickt werden können. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins verpasste das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) die Frist dafür um einen Tag. Das habe das Amt auf „Spiegel“-Anfrage eingeräumt, schrieb das Magazin.

Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geborene Palästinenser hatte dem Bericht zufolge in Norwegen einen Asylantrag gestellt. Nach Regeln des sogenannten Dublin-Systems hätte er deshalb unmittelbar zurückgeschickt werden können. Nachdem aber die Frist für ein Rücknahme-Ersuchen versäumt worden war, hätten sich die norwegischen Behörden geweigert, den Mann zurückzunehmen. Somit sei Deutschland zuständig gewesen, hieß es.

Die Messerattacke will der Innenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft aufarbeiten. Für den 9. August ist eine Sondersitzung angesetzt. Das kündigte eine Sprecherin der SPD-Fraktion am Dienstag an. „Die Hintergründe müssen nun schnell und vollständig aufgeklärt werden“, hatte der innenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dennis Gladiator, erklärt. Die Bundesanwaltschaft vermutet einen islamistischen Hintergrund und hat daher die Ermittlungen in dem Fall übernommen.

 

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