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Hamburg : Heintze gegen Kruse: Machtkampf in Hamburgs CDU

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Bei der Hamburger CDU hängt der Haussegen schief: Parteichef Roland Heintze will Rüdiger Kruse dessen Bundestagsmandat streitig machen.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2016 | 18:02 Uhr

Hamburg | In der Hamburger CDU bahnt sich ein Machtkampf um die Bundestagskandidatur für 2017 an. Im Zentrum steht die Frage, ob Landesparteichef Roland Heintze den Eimsbütteler Abgeordneten Rüdiger Kruse aus Berlin verdrängen will. Offiziell gibt es zwar noch keine Kampfansage des 42-jährigen CDU-Vorsitzenden an den langjährigen Vertreter Eimbüttels in der Hauptstadt. Doch allein das ausbleibende Dementi Heines zu seinen möglichen Bundestags-Ambitionen sorgt für Nervosität bei seinem Kontrahenten und im gesamten Landesverband.

Dabei schien vor einem Jahr schon alles geklärt zwischen den beiden Parteifreunden. Kruse zog seinerzeit seine Kandidatur um den vakanten Landesvorsitz zurück und machte den Weg frei für Heintze. Der hatte gerade völlig überraschend bei der Bürgerschaftswahl seinen Sitz im Landesparlament verloren und suchte nach einem Spitzenposten im Landesverband. PR-Fachmann Heintze - Typ bissiger und machtbewusster Debattenredner - gilt als eines der wenigen Talente der Hamburger Christdemokraten. Nach dem desaströsen Absturz auf 15,9 Prozent bei der Bürgerschaftswahl 2015 kommt dem neuen Parteichef die Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der einstigen Senatspartei zu.

 

Doch Heintze muss bei dieser Mission ein erhebliches Manko ausgleichen. Ohne Parlamentssitz wird er in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. 2014 war der ehrgeizige Nachwuchspolitiker beim Versuch gescheitert, ins EU-Parlament einzuziehen. Die Wahl des Bundestages im Herbst 2017 erscheint ihm nun offenbar als verlockende Option, sich in Stellung zu bringen. Für diesen Zweck kommt nach Lage der Dinge nur sein Heimatkreis Eimsbüttel in Frage, den allerdings Rüdiger Krise bisher beherrscht. Der 54-Jährige vertritt Eimsbüttel seit 2009 in Berlin, als es ihm erstmals in der Hamburger Geschichte gelang, den Sozialdemokraten diesen Wahlkreis abzunehmen.

Das Kruse-Lager wirft dem Parteichef intern Wortbruch vor. Tatsächlich hatte Heintze vor seiner Wahl zum Landesvorsitzenden im März 2015 versprochen: „Ich kandidiere nicht für den Bundestag.“ Kruse zog daraufhin zurück. Nun will Hamburgs CDU-Chef von einem Verzicht auf Berlin nichts mehr wissen. Er finde es zu früh, schon jetzt zu spekulieren, wen die Partei als Kandidaten für die Bundestagswahl 2017 ins Rennen schicke, lässt er wissen. Und weiter: „Für mich persönlich gilt, was ich immer gesagt habe: Ich möchte wieder politisch gestalten.“ Das Europaparlament sei eine sehr spannende Option, „aber auch Hamburg oder Berlin sind spannend“.

Kruse will sich offiziell zum Thema nicht äußern. Hinter den Kulissen hat er die fünf Ortsverbände im Kreis Eimsbüttel aufgefordert, ihm ihre Loyalität zu erklären. Mit Ausnahme des Ortsverbandes Eidelstedt ist dies offenbar auch geschehen. Die CDU will ihre Bundestagskandidaten voraussichtlich Anfang 2017 aufstellen.

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