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Hamburger Hochschule : HAW stürzt Präsidentin und Kanzler

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Der monatelange Streit in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg hat seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Präsidentin und Kanzler wurden rausgeworfen.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2015 | 19:58 Uhr

Hamburg | Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg muss sich eine neue Präsidentin und einen neuen Kanzler suchen. Nach den heftigen internen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate bestätigte der Hochschulrat in seiner Sitzung am Mittwoch die vom Hochschulsenat bereits zweimal beschlossene Demission von Prof. Jacqueline Otten und wählte auch Kanzler Bernd Klöver ab, wie die Hochschule mitteilte. Dem Beschluss zufolge endet die Amtszeit beider Hochschulmanager Ende Dezember. Hintergrund des Rauswurfs ist den Angaben zufolge unter anderem ein monatelanger Streit um zusätzliche Leistungsbezüge.

Otten hatte ihren Job erst im März 2014 für eigentlich sechs Jahre übernommen, Klöver ist bereits seit 2005 im Amt. Nach Angaben des Hochschulrats sollen vorerst die Vizepräsidenten Prof. Monika Bessenrodt-Weberpals und Prof. Thomas Netzel die Aufgaben der Abgewählten übernehmen.

„Ich habe mit großen Erwartungen, Hoffnungen und Zielen mein Amt als Präsidentin der HAW Hamburg angetreten“, erklärte Otten nach ihrer Demission. Sie bedauere die Entscheidung des Hochschulrats sehr, „werden doch durch sie die Arbeit der letzten Monate diskreditiert und laufende Projekte unter Umständen in Verzug gebracht“. Persönlich sei sie der Überzeugung, „dass mit der Abwahl nicht nur eine Entscheidung über zwei Führungspersonen getroffen wurde, sondern auch über die Führungsstruktur einer Hochschule“.„Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Vorstellungen hinsichtlich des Hochschulmanagements und der Zusammenarbeit innerhalb der Hochschule unterscheiden“, räumte Klöver ein.

Doch statt nun dem Wunsch des Hochschulsenats einfach zu entsprechen, hätte er vom Hochschulrat erwartet, ihn zu unterstützen, um zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zurückzufinden. „Eine Hochschule zukunftsorientiert zu steuern, bedeutet ausgewogene und manchmal unpopuläre Entscheidungen zu treffen“, betonte Klöver. Als Kanzler habe er dies nie gescheut.

„Der Hochschulrat der HAW Hamburg hat sich eingehend mit (...) den Stellungnahmen der Präsidentin und des Kanzlers beschäftigt“, erklärte das Gremium. Eine Verständigung zur Überbrückung der unterschiedlichen Auffassungen habe sich jedoch als nicht erreichbar herausgestellt.

Seit Einführung der sogenannten W-Besoldung im Jahr 2005 konnten alle Hochschullehrer der HAW Hamburg Zulagen für herausragende Leistungen beantragen und so ihr Grundgehalt auch ruhegehaltsfähig aufstocken. Dieses Verfahren wurde 2014 nach einer gesetzlichen Anhebung der Grundgehälter jedoch durch die Hochschulleitung aufgehoben.

Forderungen nach einem Alternativsystem sei das Präsidium nur teilweise nachgekommen - was nun wiederum in Misstrauensanträge mündete. So hatte der Hochschulsenat, besetzt mit Professoren, Studierten und akademischen Mitarbeitern, Otten bereits Anfang Oktober mit 15:0 Stimmen das Misstrauen ausgesprochen. Da dieser Beschluss jedoch rechtlich nicht bindend war - das Thema Abwahl stand nicht offiziell auf der Tagesordnung - wiederholte der Senat Anfang November die Abstimmung - mit gleichem Ergebnis.

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