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Fliegende Waschbecken im August 2014 : Hausbesetzer vor Gericht in Hamburg: Saalräumung nach Tumulten bei Prozessbeginn

vom

Die Hausbesetzer sollen in Hamburg-Altona Molotow-Cocktails auf Beamte geworfen haben. Dann gab es eine Explosion.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2015 | 10:27 Uhr

Hamburg | Mit tumultartigen Szenen im Zuschauerraum hat am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht ein Prozess im Zusammenhang mit einer kurzzeitigen Hausbesetzung begonnen. Den sechs Angeklagten im Alter zwischen 18 und 31 Jahren wird versuchter Totschlag, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.

Die zwölf Anwälte versuchten den Beginn der Verhandlung mit zahlreichen Anträgen und Wortmeldungen zu verzögern. Dreimal musste sich die Große Strafkammer zu Beratungen zurückziehen, um dann die Anträge abzulehnen. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten rund 50 Menschen gegen eine „profitorientierte Stadtentwicklung“ und für eine Entkriminalisierung von Hausbesetzungen. Nach Zwischenrufen und einem Applaus für eine Äußerung eines Anwalts ließ der Vorsitzende Richter Georg Halbach die etwa 40 Zuschauer aus dem Saal bringen. Dabei kam es zu einer Rangelei, bei der ein Polizist zu Boden ging. Ein anderer Beamter zog seinen Schlagstock und drohte damit.

Die Angeklagten sollen nach Darstellung der Staatsanwaltschaft vor fast genau einem Jahr widerrechtlich in ein Haus in Hamburg-Altona eingedrungen sein. Als die Polizei das Gebäude gleich danach räumen wollte, wehrten sich die Besetzer mit Gewalt. Aus dem dritten Stock soll ein 31-Jähriger mehrere Teile eines zerschlagenen Waschbeckens auf Polizisten geworfen haben. Ein 19- und ein 20-Jähriger sollen eine Holztür aus einem Fenster im vierten Stock zielgerichtet auf Beamte gekippt haben. Die Angeklagten sollen die Polizisten ferner mit Feuerwerkskörpern, Feuerlöschern, Molotow-Cocktails, Farbe und anderen Gegenständen angegriffen haben. Mehrere Beamte erlitten Verletzungen.

Einer der sechs Angeklagten (Mitte) im Landgericht Hamburg zwischen den Anwälten. Die Angeklagten sollen im August 2014 ein Haus bei den „Squatting Days“ besetzt und bei der Räumung Polizeibeamte angegriffen und verletzt haben.
Einer der sechs Angeklagten (Mitte) im Landgericht Hamburg zwischen den Anwälten. Die Angeklagten sollen im August 2014 ein Haus bei den „Squatting Days“ besetzt und bei der Räumung Polizeibeamte angegriffen und verletzt haben. Foto: dpa
 

Die Krawalle begleiteten einen Hausbesetzer-Kongresses zu Gentrifizierung und Wohnraumpolitik Ende August 2014. Die Veranstalter der sogenannten „Squatting Days“ (to squat (englisch) = besetzen) hatten sich mit den Besetzern solidarisiert.

Knapp 1300 Menschen demonstrierten zwei Tage nach den Krawallen gegen hohe Mieten und eine profitorientierte Stadtentwicklung. Zu Beginn der Kundgebung forderte ein Sprecher der „Squatting Days“ die Freilassung der festgenommenen mutmaßlichen Waschbecken-Werfer und eine „Entkriminalisierung derjenigen, die Besetzungen unterstützen“. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, weil sie Ausschreitungen befürchtet hatte. Unterstützt wurden die Hamburger Beamten bei der Demo von zusätzlichen Einsatzkräften aus Bremen und Schleswig-Holstein.

An sensiblen Straßenpunkten - etwa der Zufahrtstraße zur Davidwache - waren Wasserwerfer angerückt. Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten blieben laut Polizei aber aus. Hin und wieder zündeten Vermummte Feuerwerk oder Böller auf den Dächern von Gebäuden auf St. Pauli, dem Gängeviertel oder der Roten Flora.

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