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Kapazitätsgrenze, Umbau, Denkmalschutz : Hauptbahnhof Hamburg: „Es wird Anpassungen geben müssen“

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Der ganz große Umbau bleibt vermutlich aus – zu viele Einschränkungen. Klar ist: Es muss etwas passieren am Bahnhof.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 19:53 Uhr

Hamburg | Hamburgs Hauptbahnhof platzt aus allen Nähten - doch mit einem wirksamen Bypass tun sich die Beteiligten außerordentlich schwer. Das wurde am Donnerstagabend klar, als im Verkehrsausschuss der Bürgerschaft Experten in einer Anhörung Ideen für eine Kapazitätserweiterung erörterten. Manuela Herbort, Bahnchefin für Hamburg und Schleswig-Holstein, stellte klar: Weil der Raum in dem 1906 erbauten Bahnhofsgebäude arg begrenzt ist und dieses unter Denkmalschutz steht, sei jede Veränderung schwierig. Eine Verlegung von Gleisen unter die Erde nach dem Vorbild Zürich etwa, wie manche Bahnfreunde wünschen, erteilte Herbort jedenfalls eine Absage: „Der Platz unter dem Hauptbahnhof ist belegt.“ Eindruck des Abends: Der erwartete ganz große Umbau des Bahnhofs scheitert wohl an den vielen Einschränkungen. Gleichwohl müsse und werde es Anpassungen geben, um den Ansturm zu bewältigen und die Leistungsfähigkeit des Hauptbahnhofs zu erhalten, sagte die Bahnchefin. In Europa werde nur der Pariser Gare du Nord von noch mehr Menschen genutzt.

Der Bahnhof ist mit 500.000 Reisenden und Besuchern täglich der meist frequentierte in Deutschland. 2000 Fernzüge und S-Bahnen fahren das Nadelöhr täglich an, hinzu kommen U-Bahnpassagiere sowie Kunden für Restaurants und Läden.

Unübersehbar ist das Dilemma regelmäßig auf überfüllten Bahnsteigen und Zugängen sowie bei Zugverspätungen infolge langwieriger Aus- und Einsteigevorgänge. Mit Blick auf die  Frequentierung der 14 Gleise stuft die Bahn AG Hamburgs Hauptbahnhof unumwunden als „künftig vermutlich überlastet“ ein, wie DB-Netz-Vertriebschef Michael Körber sagte. Ein Zubau von Gleisen sei aber nicht möglich. Auch die geforderte Erweiterung zumindest des Gleises 10 sei nicht sinnvoll. Diese wäre technisch enorm aufwändig, bestätigte Regionalleiterin Andrea Gebbeken von der DB Station & Service. „Die Kosten wären exorbitant.“ Einen Großteil ihrer Hoffnungen setzt die Bahn daher auf den - allerdings noch fernen - Ausbau der S-Bahnlinie 4 Richtung Kreis Stormarn. Rollen ab Mitte des nächsten Jahrzehnts die S-Bahnen tatsächlich gen Bad Oldesloe, würden im Hauptbahnhof Gleise für Fernbahnen frei.

Einig waren sich die Beteiligten der Anhörung immerhin im Wunsch, den Südsteg des Bahnhofs zu entlasten, wo das Gedränge am größten ist. Oberbaudirektor Jörn Walter hatte zuvor bereits eine Öffnung der Südfassade vorgeschlagen. Reisende könnten dann auf kurzem Weg zur Steintorbrücke gelangen. Diese, so die Bahnvertreter gestern, müsste dann für den Individualverkehr gesperrt werden. Und: Von der Brücke aus sollen künftig Treppen in Richtung Süden direkt zu den Bahnsteigen führen, was Zugpassagieren nervige Umwege durch das Bahnhofsgebäude erspart. Wann diese Maßnahmen Wirklichkeit werden und was sie kosten würden, blieb offen.

Aller Widrigkeiten zum Trotz: Für Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) genießt eine Verbesserung der Lage hohe Priorität. "Ziel ist es, Bahnhof und Umfeld zu einer für die Fahrgäste, die Bürger sowie unsere Gäste attraktiven Visitenkarte der Stadt zu entwickeln.“ Seine Behörde lasse deshalb derzeit auch die Verkehrsströme rund um den Bahnhof untersuchen.

 

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