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Güteverhandlung : „Hartz-IV-Rebellin“ Hannemann will kein Geld

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Inge Hannemann arbeitet in einem Hamburger Jobcenter. Weil sie das „System Hartz IV“ ablehnt, wurde sie freigestellt. Vor dem Arbeitsgericht Hamburg kämpft sie jetzt um ihren eigenen Job.

Im Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht Hamburg haben das Jobcenter und seine als "Hartz IV-Rebellin" bekanntgewordene Mitarbeiterin Inge Hannemann am Mittwoch noch keine Einigung erzielt. Die 45-Jährige war im April freigestellt worden, weil sie in ihrem Internet-Blog das "System Hartz IV" immer wieder als menschenunwürdig kritisiert hatte. Sie lehnt insbesondere finanzielle Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger ab, die Termine nicht einhalten oder Jobangebote ablehnen. Dieser Druck bringe nichts, ist Hannemann überzeugt. Gegen ihre Freistellung wehrt sie sich juristisch.

In einer sogenannten Güteverhandlung forderte Richter Ilbert Albers die beiden Parteien am Mittwoch auf, bis zum 9. September mitzuteilen, ob eine Weiterbeschäftigung an anderer Stelle - beim Jobcenter oder der Hansestadt Hamburg - denkbar sei. Sonst soll es im November einen Kammertermin geben, bei dem am Ende das Gericht eine Entscheidung treffen kann. Hannemann kündigte aber nach der Verhandlung bereits an, für sie komme nur eine Stelle als Arbeitsvermittlerin infrage. Auch eine Abfindung sei für sie keine Option. "Ich bin nicht käuflich", betonte die Frau.

Das Interesse an der Verhandlung war groß, zahlreiche Unterstützer Hannemanns waren gekommen. Weil alle Stühle besetzt waren, saßen sie zum Teil auf dem Boden und kommentierten die Verhandlung immer wieder. Die "Hartz-IV-Rebellin" polarisiert: Bürger haben sie für den Deutschen Engagementpreis 2013 des Bundesfamilienministeriums nominiert, Zustimmung kommt zudem von der Linken. Kritiker werfen ihr dagegen Selbstdarstellung vor.

Hannemann war im Jobcenter Hamburg-Altona seit Herbst 2011 in Teilzeit beschäftigt und dort zuständig für Jugendliche, deren Vermittlung als schwierig galt. Die Bundesagentur für Arbeit und die Hamburger Sozialbehörde wollen sich derzeit nicht direkt zum Fall Hannemann äußern. Im Juni jedoch hatte die Bundesagentur erklärt: "Die Behauptungen von Frau Hannemann sind falsch und führen die Öffentlichkeit in die Irre." Die Kollegin missbrauche ihre "angeblichen Insider-Ansichten, um sich in der Öffentlichkeit als einsame Kämpferin für Entrechtete darzustellen".

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erstellt am 29.Aug.2013 | 03:33 Uhr

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