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Reederei aus Hamburg : Hapag-Lloyd schließt 2014 mit großen Verlusten ab

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In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres beliefen sich die Verluste von Hapag-Lloyd auf 224 Millionen Euro.

Hamburg | Deutschlands größte Linienreederei kommt nicht aus dem Tal der Tränen. Die Hamburger Hapag-Lloyd AG hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 604 Millionen Euro angehäuft, sechsmal so viel 2013. Den bitteren Jahresabschluss wollte der Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen gestern nicht schönreden: „Wie lange man sich die Zahlen auch anguckt, das ist eigentlich ein sehr enttäuschendes Ergebnis.“

Einen Teil des Verlustes erklärte der Reederei-Chef mit besonderen Einmaleffekten. So entfielen allein 270 Millionen Euro auf den laufenden Zusammenschluss mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV sowie auf eine Wertminderung älterer Schiffe.

Gerade auf der Verschmelzung mit den Chilenen zur weltweit viertgrößten Containerrederei ruhen die Hoffnungen im Management und bei den Eignern. Zu letzteren zählt auch die Stadt Hamburg, die in den vergangenen Jahren Anteile für rund 1,1 Milliarden Euro an dem Unternehmen erworben hatte, um eine Übernahme durch den Konkurrenten NOL aus Singapur zu verhindern. In der Hansestadt beschäftigt Hapag-Lloyd etwa 1700 Mitarbeiter.

Die Fusion sei im Zeitplan, berichtete Habben Jansen, die Integration solle bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein. „Richtig große Stolpersteine“ gebe es nicht. Mit dem Zusammenschluss schlage die Reederei ein neues Kapitel in seiner 168-jährigen Geschichte auf. „Nun blicken wir nach vorn und konzentrieren unsere Kräfte darauf, Hapag-Lloyd wieder profitabel zu machen.“

Der Niederländer, der seit Mitte 2014 am Ruder des Hamburger Traditionsunternehmens steht, bezifferte die erhofften Synergieeffekte des CSAV-Deals auf knapp 300 Millionen Euro pro Jahr; bereits in 2015 sollen 200 Millionen realisiert werden. Habben Jansen: „Wir haben unsere Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit durch die Fusion deutlich verbessert und blicken optimistisch in die Zukunft.“

Nach der Zusammenlegung macht Hapag-Lloyd in der weltweiten Rangliste der Branche zwei Plätze gut. Mit rund 200 Schiffen und 11.000 Mitarbeitern erwirtschaftet die Großreederei dann neun Milliarden Euro Umsatz. Die Zentrale verbleibt am Ballindamm an der Binnenalster, obwohl die Chilenen ein Drittel der Aktien übernehmen und zum größten Anteilseigner aufsteigen. CSAV, die Stadt (23 Prozent) und Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne (21 Prozent) haben ihre Anteile in einem Pool zusammengefasst und treffen strategische Entscheidungen gemeinsam.

Ihr erklärtes Ziel ist ein Börsengang der Reederei, so bald diese ihre Probleme überwunden hat. Ob der dafür angepeilte Termin noch in diesem Jahr gehalten werden kann, erscheint nach der gestrigen Bilanzvorlage unwahrscheinlich. Vor allem der Senat besteht darauf, für die mit Steuergeld bezahlten städtischen Anteile einen angemessenen Preis zu erzielen. Habben Jansen: „Wenn wir dafür etwas länger warten müssen, dann nehmen wir uns die Zeit.“

Eine nachhaltige Wende zum Besseren ist auf den globalen Schifffahrtsmärkten freilich noch nicht in Sicht. Im vorigen Jahr waren die Frachtraten nochmals um drei Prozent abgesackt. Für den Transport einer 20-Meter-Standard-Box (TEU) kassierten die Reedereien durchschnittlich nur noch 1434 US-Dollar. Bei Hapag-Lloyd schlug sich das in einem negativen operativen Ergebnis von 112 Millionen Euro nieder (2013: +67 Millionen). Und das trotz sinkender Treibstoffkosten, einer Steigerung des Transportvolumens um 7,5 Prozent auf 5,9 Millionen TEU und eines Umsatzplus von 3,7 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro.

Immerhin sieht Habben Jansen Anzeichen einer Aufwärtsentwicklung im laufenden Geschäftsjahr. Die ersten Monate seien „vielversprechend“ verlaufen. Für 2015 rechne er mit einem „deutlich positiven operativen Ergebnis“. 2016 solle die Großreederei dann auch im Gesamtkonzern wieder schwarze Zahlen schreiben.

Helfen soll dabei ein Sparprogramm über einen dreistelligen Millionenbetrag. Dabei gehe es um Optimierungen im Vertrieb, auf der Kostenseite sowie bei der Flottenmodernisierung. Erstmals seit Jahren plant Hapag-Lloyd zudem die Bestellung großer Schiffsneubauten. Der Vorstandsvorsitzende: „Die Verträge mit den Werften werden in wenigen Wochen unterschrieben.“

Wie schwierig die Lage der Branche weiterhin ist, zeigt die aktuelle Annäherung von Hapag-Lloyd an einige seiner größten Konkurrenten. Mit dem Lokalrivalen Hamburg Süd, der französischen CMA CGM sowie weiterer Reedereien werde es ab Juli gemeinsame Liniendienste zwischen Asien und Lateinamerika geben. Insgesamt werden dabei mehr als 50 Schiffe eingesetzt, 20 davon stellt Hapag-Lloyd. 

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erstellt am 27.Mär.2015 | 17:46 Uhr

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