Reederei : Hapag-Lloyd droht Ausverkauf

2014 läuft der Vertrag von Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt aus.
2014 läuft der Vertrag von Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt aus.

Ein Konsortium sollte eine feindliche Übernahme von Hapag-Lloyd durch einen Konkurrenten aus Singapur verhindern. Doch inzwischen hat es sich aufgelöst.

shz.de von
02. November 2013, 11:56 Uhr

Hamburg | Aus Furcht vor einer Fremdübernahme machten Hamburgs Senate die Hapag-Lloyd AG ab 2008 zu einer Art Staatsreederei. Dennoch keimen nun erneut Ängste an der Elbe, Konkurrent Neptun Orient Lines (NOL) aus Singapur könnte bei dem Traditionsunternehmen einsteigen, vielleicht gar die Mehrheit übernehmen und damit den Schifffahrtsstandort Hamburg in akute Gefahr bringen.

Auslöser der Befürchtungen ist das Ende jenes Konstrukts, mit dem die damalige CDU-Regierung an der Seite von Unternehmer Klaus-Michael Kühne eine Übernahme durch NOL 2008 mit knapper Not verhindert hatte. Seinerzeit taten sich die Stadt, der Logistikmilliardär sowie je zwei Hamburger Banken und Versicherungen im Albert-Ballin-Konsortium zusammen, das von Tui 62 Prozent an der weltweit fünftgrößten Containerreederei übernahm. Als NOL im vorigen Jahr erneut die Fühler ausstreckte, stockte die inzwischen SPD-geführte Rathausregierung Hamburgs Anteil nochmal auf; seither ist die Stadt mit 37 Prozent größter Anteilseigner, Kühne hält 28 Prozent, die einstige Muttergesellschaft Tui noch 22 Prozent.

Insgesamt hat sich der Stadtstaat die Rettungsaktion schon 1,15 Milliarden Euro kosten lassen, zuzüglich 120 Millionen an Zinszahlungen, von denen bisher kein Euro über Dividenden wieder reingekommen ist. Wegen der anhaltenden Schifffahrtskrise schreibt Hapag-Lloyd seit Jahren eher rote als schwarze Zahlen; 2012 lag das  Minus bei 128 Millionen Euro.

Überraschend – und ohne die Bürgerschaft zu informieren – hat sich das Ballin-Konsortium Ende September getrennt. Formal sind die Beteiligten nun wieder frei, ihre Anteile zu veräußern. Im schlimmsten Falle könnte Hamburg trotz des teuren Engagements mit seinen 37 Prozent eine Übernahme durch die NOL nicht mehr verhindern.

„Der Senat handelt planlos, eine Strategie ist nicht erkennbar. Hapag-Lloyd steht möglicherweise vor einem Verkauf“, fürchtet der Grünen-Hafenexperte Anjes Tjarks. Tatsächlich schweigt das Rathaus bisher weitgehend zu den erstaunlichen Veränderungen bei der städtischen Unternehmensbeteiligung. Ein Sprecher der Finanzbehörde bestätigt die Auflösung des Konsortiums. Es sei  nicht mehr notwendig, um die strategischen Interessen Hamburgs zu wahren. Die Partner befänden sich allerdings im Gespräch über eine „Pool-Vereinbarung“ für ein gemeinsames Abstimmungsverhalten im Aufsichtsrat.

Auch wolle sich Hamburg ein Vorkaufsrecht bei den Ex-Konsorten sichern. Abgeschlossen sei eine solche Vereinbarung noch nicht. CDU-Haushaltsexperte Roland Heintze macht das „misstrauisch“. Derlei Folgeregelungen müssten vorher ausverhandelt werden.

Hapag-Lloyd ist aus dem Hamburger Hafen nicht wegzudenken. Die Großreederei sorgt für schätzungsweise die Hälfte des Containerumschlags und ist am Terminal Altenwerder beteiligt. Laut Bürgermeister Scholz hängen 20.000 Jobs in der Stadt am Unternehmen. Sein Senat wolle verhindern, dass es zum „Spielball im globalen Monopoly“ werde.

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