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Einkaufszentrum in Hamburg : Hanseviertel vor dem Aus - Abriss möglich

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Das Hanseviertel war vor 37 Jahren ein neues Einkaufserlebnis. Aber die Zeiten ändern sich.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2017 | 15:54 Uhr

Hamburg | Als das Hamburger Hanseviertel am 14. November auf den Tag genau vor 37 Jahren seine Pforten öffnete, betraten Betreiber und Kunden buchstäblich Neuland. Das Einkaufsquartier in der City gehörte zu den deutschlandweit ersten Shopping-Centern neuen Typs: anspruchsvolle Läden und Restaurants, shoppen und flanieren in großstädtischem Ambiente - alles unter einem Dach und das in ansprechender Architektur.

Nun scheint sich der Pionier von einst überlebt zu haben. Die Allianz als Eigentümer der Immobilie sucht nach einem Käufer für das Hanseviertel, ein Abriss erscheint möglich. Laut NDR 90,3 hat ein Hamburger Investor entsprechende Pläne präsentiert.

Vorgesehen ist demnach, das Grundstück zwischen Poststraße, Große Bleichen und Hohe Bleichen - unweit des Rathauses - neu zu bebauen. Entstehen könnte dort ein deutlich höherer Komplex, der seinen Schwerpunkt nicht mehr auf Shopping legt. Die Pläne sehen rund 100 Wohnungen in bester Lage vor, ein Drittel davon womöglich Sozialwohnungen, dazu Büros und einzelne Läden sowie Gastronomie.

Der größte Teil des Bestandsgebäudes aus dem Jahr 1980 steht nicht unter Denkmalschutz, könnte also ohne Weiteres plattgemacht werden. Nicht betroffen wäre das zum Komplex gehörende Renaissance-Hotel, das weiter betrieben werden soll.

Hintergrund der Verkaufsabsichten ist die zusehends schwierige wirtschaftliche Situation des einstigen Vorzeige-Quartiers. Das Konzept der Shoppingmall, das bei der Eröffnung noch als todschick galt, erweist sich inzwischen als Nachteil. Die lichtdurchflutete Passage, die von einer zentralen Rotunde mit Oberlicht dominiert wird,  ist zu klein, sie verfügt nur über ein brauchbares Ladengeschoss.

Das Mövenpick-Restaurant im Untergeschoss ist schon seit zehn Jahren geschlossen; dort herrscht seither Leerstand. Mit insgesamt 9000 Quadratmetern Ladenfläche und 60 Geschäften zählt die Passage inzwischen zu den kleineren in der Innenstadt. Die Europa-Passage verfügt über 30.000 Quadratmeter auf fünf Ebenen. Zudem entsteht um die Ecke weitere hochwertige Konkurrenz. An der Stadthausbrücke gehen die Stadthöfe ihrer Vollendung entgegen, am Alten Wall eröffnet in einem Jahr eine mondäne Mall unter Glas.

Müsste das Hanseviertel tatsächlich weichen, verschwände auch ein besonderes Schmankerl moderner Hamburger City-Architektur. Über dem Hauptportal ist unter dem Glockenspiel in der Backsteinfassade das Wort „Polen“ zu lesen. Pfiffige Maurer aus Krakau hatten eigenmächtig dunkle und helle Ziegel so gesetzt, dass sie den Namen ihres Heimatland verewigten.

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