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Messe über Trends : Hanseboot 2015: Was Besucher in Hamburg erwartet

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Alles zeigen, was den Wassersport ausmacht, lautet die Devise. Über 550 Aussteller sind in den Messehallen vor Ort.

In Seglerkreisen ist Stephan Boden als „Digger Hamburg“ bekannt. Unter dem Namen führt er ein Segel-Blog im Internet, hat Bücher und Videos veröffentlicht und hält Vorträge. Stephan Boden liebt kleine Segelboote. Eines seiner Bücher heißt „Kleiner segeln, größer leben“. Und dank seiner Initiative gibt es in diesem Jahr auf der Hanseboot eine „Spaßkisteninsel“ in der Halle B6.„Hier geht es um den Spaß am Segeln“, sagt Boden. Die Boote heißen „Bente 24“ oder „biehl 8.8“ und sind bis zu acht Meter lang. Halb so lang wie die luxuriösen Jachten auf den anderen Ständen in der gleichen Halle. „Zwischen denen wären wir untergegangen, uns hätte keiner wahrgenommen“, stellt Boden fest. Nun sind alle „Spaßkisten“ an einem Stand vereint.

Wer auf die Hanseboot kommt, und das sind regelmäßig 80.000 Besucher aus ganz Norddeutschland und dem angrenzenden Ausland, der will Boote sehen. Aber nicht unbedingt Segelboote. „Der Trend geht eher zum Motorboot“, sagt Heiko Zimmermann, selbst begeisterter Segler und Projektleiter der Hamburg Messe für die Hanseboot. Das ist weltweit so. Geschätzte 90 Prozent des Freizeitverkehrs auf dem Wasser entfällt auf Motorboote, zehn Prozent auf Segeljachten. Wobei es bei Motorbooten nicht immer so eindeutig ist, ob sie nun aus Vergnügen und Spaß gefahren werden, oder schlicht als Transportmittel dienen.

Im Norden Deutschlands und Europas haben die Segler noch einen höheren Anteil, doch die Motorbootfahrer holen auf. Auch weil es einfacher ist, eine Motorjacht zu steuern als ein Segelboot zu beherrschen. So belegen die Motorboote auf der Hanseboot immer mehr Hallenfläche.

Eine der teuersten und edelsten Motorjachten ist die knapp 15 Meter lange „Elling E4“, die mit rund 680.000 Euro zu Buche schlägt. Ein Boot, das sowohl den Atlantik überqueren wie auch jeden Hafen im europäischen Binnenland erreichen kann. Die Atlantiküberquerung ist kein Wochenend-Turn; 2008 dauerte sie 15 Tage. Dafür ist der Spritverbrauch mit einem Liter pro Seemeile konkurrenzlos niedrig.

Die großen Jachten liegen preislich meistens im Bereich von 350.000 bis 500.000 Euro. Das gilt nicht nur für die Motorboote, sondern auch für die Segler. Dafür bekommt man ein Schiff mit einer Länge von 12 bis 14 Metern, drei Kabinen mit jeweils zwei Schlafplätzen, Küche und Salon. Die Segelboote kann ein erfahrener Skipper allein oder zu zweit segeln. Wer mehr ausgeben will, findet nach oben kaum eine Grenze. Russische Oligarchen und orientalische Scheichs haben sich Megajachten für mehrere hundert Millionen Euro bauen lassen.

Die Auswahl ist fast unübersehbar, weil in Europa Hunderte von kleinen Werften ihre Produkte anbieten. Die Branche ist nicht industriell, sondern eher handwerklich organisiert. Von manchen Modellen produzieren die kleinen Werften nur eine Handvoll Exemplare. Das ist so, als hätte ein Autokäufer die Wahl zwischen mehreren hundert Automarken.

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 8544 Boote und Jachten für knapp 80 Millionen Euro aus anderen Ländern nach Deutschland eingeführt. Gleichzeitig exportierten die deutschen Bootsbauer 4519 Einheiten für 611 Millionen Euro. Das ist aber etwas verzerrt, weil darin auch Superjachten enthalten sind.

In diesen Bereichen ist Stephan Boden alias „Digger Hamburg“ nicht zu Hause. Er hat ein Segelboot mit Hilfe seiner Freunde aus sozialen Netzwerken entwickeln lassen, und das kostet nun 15.000 Euro. Oder auch 20.000 Euro, wenn es etwas gediegener sein soll. Jedenfalls nicht mehr als ein VW Golf. Und damit kann man genauso viel Spaß haben wie mit einer Megajacht. „Es kommt ja auf's Segeln an.“

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erstellt am 30.Okt.2015 | 19:06 Uhr

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