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Kreative Politiker : Plakate zur Hamburg-Wahl 2015: Skurril, bunt und oft kopflos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Plakatwerbung zur Bürgerschaftswahl 2015 ist so kreativ wie selten. Die Kandidaten geben alles – manchmal aber auch zu viel.

Hamburg | Sage und schreibe 120.000 Wahlplakate begleiten den Bürgerschaftswahlkampf in Hamburg. Diese Zahl hat zumindest die „Bild“-Zeitung hochgerechnet. Und beklagt sogleich ein „irres Wettrüsten“ der Parteien und eine „Verschandelung“ der Stadt. Auch wenn es in Wahrheit wohl ein paar Aufsteller weniger sein dürften, gefühlt hat es in der Hansestadt tatsächlich noch nie so viele Plakate im Buhlen um die Bürgergunst gegeben. Die Erklärung: Das Zehnstimmen-Wahlrecht führt dazu, dass sich Scharen von Kandidaten in den 17 Wahlkreisen dem geneigten Wähler präsentieren wollen.

Der Drang zu gesteigerter Aufmerksamkeit hat indes nicht nur Masse zur Folge, auch manch eigenwillige Polit-PR ist zu besichtigen. Ein Überblick über die bemerkenswertesten Ideen zur Wählerwerbung anno 2015:

Kopfloser FDP-Kandidat: Robert Bläsing protzt mit Sixpack im Internet.
Kopfloser FDP-Kandidat: Robert Bläsing protzt mit Sixpack im Internet.

Robert Bläsing (FDP) versucht es mit Körperlichkeit. Auf Facebook hat der 32-Jährige im Rahmen der Bürgerschafts-Kampagne für Wähler ab 16 Jahren ein Foto seines nackten Oberkörpers gepostet. Samt Sixpack, was angesichts der eher schmächtigen Statur des Finanzpolitikers durchaus bemerkenswert ist.

Sein CDU-Kollege Richard Seelmaecker versuchte es mit dem Rätselfaktor. Wochenlang ließ er Plakate aufstellen, auf denen statt seines Namens nur die Initialen standen. Nun ist der Unionsmann aus Langenhorn allerdings keine politische Lokalgröße. R.S.? Das ließ bei kaum einem Hamburger den Groschen fallen. Wer mochte, konnte immerhin mitknobeln. Wer nicht mochte, erhielt Aufklärung in der zweiten Kampagnenphase. Nun zeigt sich Kandidat Seelmaecker mit vollem Namen, Hummelmann und dem Versprechen „Ich bin für Sie da.“

Kopfloser SPD-Bürgermeister Olaf Scholz: eine Steilvorlage vor allem für Satiriker.
Kopfloser SPD-Bürgermeister Olaf Scholz: eine Steilvorlage vor allem für Satiriker. Foto: dpa
 

Pseudo-mysteriös war auch der Bürgermeister in den Wahlkampf gestartet. Eine erste Plakatreihe zeigte Olaf Scholz nur vom Kinn an abwärts. Kein Name, keine Partei, keine Sprüche. Selbstherrlich, grummelten seine Kritiker. Selbst schuld könnte es auch heißen. Denn die Spaßmacher des NDR-Satire-Magazins „Extra 3“ ließen die Steilvorlage nicht ungenutzt und ergänzten den Rest des Stadt-Oberhaupts auf fantasievolle Weise.

Ganz seriös, aber weiter in Blau-Gelb: FDP-Mann Ekkehard Augustin hielt nichts von Magenta – und kehrte der Partei den Rücken.
Ganz seriös, aber weiter in Blau-Gelb: FDP-Mann Ekkehard Augustin hielt nichts von Magenta – und kehrte der Partei den Rücken. Foto: mlo

Das Kunststück, mit einem Wahlbanner gleich seinen Parteiaustritt einzuleiten, gelang FDP-Mann Ekkehard Augustin. Der Kandidat für Eppendorf/Winterhude war so frei, trotz des von der Bundespartei verordneten neuen Magenta-Looks auf seinen Plakaten weiterhin blau-gelb daherzukommen. Als der Kreisverband ihn zur Ordnung rief, zog Augustin die Konsequenzen und schickte sein Parteibuch zurück.

Primarschul-Rebell Walter Scheuerl (parteilos) schwelgt in Kindheitserinnerungen.
Primarschul-Rebell Walter Scheuerl (parteilos) schwelgt in Kindheitserinnerungen. Foto: mlo (4)
 

Ein solches besitzt Walter Scheuerl erst gar nicht. Der Primarschul-Rebell und fraktionslose Bürgerschaftsabgeordnete tritt in den Elbvororten als Einzelbewerber an. Weil das ohne Parteiapparat im Rücken nicht leicht ist, setzt der Rechtsanwalt auf Emotionen aus dem Familienalbum. Eines der Plakate ziert ein Foto mit Abc-Schütze Klein-Walter, natürlich mit Schultüte im Arm, entstanden im Jahr 1967.

Auf den Hund gekommen: CDU-Kulturpolitikerin Brigitta Martens verstörte auch die eigenen Reihen mit „Personenkult“.
Auf den Hund gekommen: CDU-Kulturpolitikerin Brigitta Martens verstörte auch die eigenen Reihen mit „Personenkult“. Foto: mlo
 

Den Hingucker schlechthin hat vielleicht Brigitta Martens kreiert. Die CDU-Kulturpolitikerin platzierte ihr Konterfei in einem üppigen Bilderrahmen und setzte einen Stuhl samt Hund davor. Ein seltsam gekachelter Raum bildet die Kulisse für die Komposition. Was das soll? Sie wolle auf ihr Engagement für die Kunst in der Stadt aufmerksam machen. In der eigenen Partei freilich schütteln nicht wenige den Kopf über so viel schräge Selbstdarstellung. „Albern. Das hat doch mit Politik nichts zu tun“, schimpft eine Parteifreundin, die lieber ungenannt bleiben möchte.

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erstellt am 05.Feb.2015 | 12:19 Uhr

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