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Nach Yagmurs Tod : Hamburgs Sozialsenator Scheele will Ombudsmann

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Aus der Onlineredaktion

Einen Fall Yagmur soll es nie wieder geben. Als eine Folge auf den gewaltsamen Tod des dreijährigen Mädchens will Sozialsenator Scheele nach der Bürgerschaftswahl einen Ombudsmann einführen.

Hamburg | Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) will als eine Konsequenz aus dem gewaltsamen Tod der dreijährigen Yagmur für die Jugendhilfe einen Ombudsmann einrichten. An ihn soll sich jeder mit Fragen oder Hinweisen wenden können, sagte Scheele am Dienstag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Fall Yagmur.

Die Stelle soll in der kommenden Legislatur geschaffen und auch mit Befugnissen ausgestattet werden. „Dann ist er nicht mehr nur ein Sammelaugust“, der Beschwerden aufnehmen, aber nichts machen könne.

„Angedockt an das Beschwerdemanagement wirkt er unmittelbar handlungsleitend“.Der Senator machte sich erneut für die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz stark. Sowohl bei der Jugendhilfe als auch vor Gericht stünden Kinder nicht immer im Mittelpunkt, blieben hinter dem grundgesetzlichen Schutz von Ehe und Familie zurück, kritisierte der 58-Jährige. „Das, finde ich, muss einem zu Denken geben.“ 

Yagmur war am 18. Dezember 2013 mutmaßlich durch die Hand ihrer Mutter an den Folgen von Misshandlungen gestorben, obwohl das Kind seit seiner Geburt von insgesamt drei Jugendämtern betreut worden war. Yagmurs 27 Jahre alte Mutter muss sich deshalb wegen Mordes vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Der ein Jahr jüngere Vater des Kindes ist angeklagt, weil er das Mädchen nicht geschützt haben soll.

Anders als das Gericht versucht der Untersuchungsausschuss nicht strafrechtliche, sondern allein strukturelle und politische Verantwortlichkeiten zu klären. Die Bürgerschaftsabgeordneten untersuchen voraussichtlich noch bis zum 18. Dezember - dem einjährigen Todestag Yagmurs - inwieweit den Behörden Versäumnisse anzulasten sind.

Entsprechend hart fragten die Abgeordneten der Opposition nach, bezogen sich dabei vor allem auf die personelle Ausstattung des Allgemeinen Sozialen Diensts (ASD), deren Vertreter auch im Untersuchungsausschuss über übermäßige Belastungen geklagt hatten.

Der Tod Yagmurs nur wenige Tage nach dem Abschlussbericht des Sonderausschusses zum Fall Chantal sei für ihn als Vater „schon die bedrückenste Situation in meiner Amtszeit“ gewesen. „Da fragt man sich schon, hat man alles richtig gemacht bei der Aufarbeitung des Falls Chantal“, sagte Scheele. Die Elfjährige war 2012 ebenfalls unter Aufsicht des Jugendamts ums Leben gekommen. Das Mädchen lebte bei drogensüchtigen Pflegeeltern, starb an einer Überdosis Methadon.

Scheele räumte ein, dass die Schnittstellen zwischen allen Beteiligten nicht richtig funktioniert hätten. „Da hat der Blick eindeutig gefehlt.“ Der Bericht der Jugendhilfeinspektion dazu sei „hart und unerbittlich“ gewesen und auch der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) habe „zugegebenermaßen ein ziemlich belämmertes Lagebild“ abgegeben. „Ich sitze hier nicht und sage: ,Alles richtig gemacht'“, sagte Scheele. Gleichwohl betonte er, dass inzwischen viel verbessert worden sei. Unter anderem sei der Allgemeine Soziale Dienst aufgestockt worden, und die Mitarbeiter würden besser bezahlt. Außerdem soll bis Ende des Jahres ein Qualitätsmanagement fertig sein.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 20:12 Uhr

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