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P+R-Umstellung : Hamburgs Park&Ride-Anlagen überwiegend kostenpflichtig

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Seit 2015 schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen – im ersten Halbjahr 2018 werden vier weitere Stellflächen kostenpflichtig.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 07:17 Uhr

Hamburg | Wer in Park&Ride-Anlagen in Hamburg sein Auto abstellt, muss mittlerweile in nahezu allen Anlagen eine Gebühr bezahlen. Vier Stellflächen in Ohlstedt und Schnelsen, am Hochkamp und bei Hagenbecks Tierpark sollen neben den bereits 26 kostenpflichtigen Anlagen im ersten Halbjahr 2018 noch auf das bezahlte Parken umgestellt werden, berichtete der Geschäftsführer der stadteigenen P+R-Betriebsgesellschaft mbH, Klaus Uphoff.

Unterm Strich hat sich die Mitte 2014 eingeführte Entgeltpflicht für Pendler ausgezahlt, auch wenn es damals einen öffentlichen Aufschrei gab. „Die Entgeltpflicht ist akzeptiert. Zumal das Parken in der Innenstadt deutlich teurer wäre“, sagte Uphoff - und: „Wir haben die Anlagen von Fremdnutzern befreit, die dort ihren Zweit- oder Drittwagen geparkt haben.“ Zwar ging die Auslastung mancher Anlagen wie zum Beispiel von zweien in Bergedorf von über 90 Prozent zunächst auf um die 60 Prozent (2015) zurück, legte im Folgejahr 2016 aber wieder auf 83 bis 94 Prozent zu. An anderen Standorten geht der Trend ebenfalls wieder nach oben.

Der Geschäftsführer nennt mehrere Gründe für die wieder gestiegene Nachfrage: Die Anlagen seien durch Videoüberwachung, Notrufanlagen und mehr Sauberkeit sicherer und damit für die Kunden attraktiver geworden, Baustellen mit Staugefahr begünstigten den ÖPNV-Umstieg und schließlich wolle kaum jemand bei Regen nach einem Parkplatz am Wegesrand suchen.

Für die Betreibergesellschaft haben sich die Parkgebühren positiv ausgewirkt: Musste die Stadt vor 2014 noch Verluste von einer halben Million Euro (2013) ausgleichen, werden seit 2015 schwarze Zahlen geschrieben. 2016 gab es aus dem P+R-Entgelt einen Überschuss von rund einer Million Euro, von dem 583.000 Euro an die Stadt abgeführt wurden. Die restlichen Mittel werden investiert.

Denn mit der Gebührenumstellung, dem Um- und Ausbau der Anlagen ist Uphoffs Arbeit längst nicht getan. „Wir wollen in den nächsten fünf Jahren flächendeckend für Hamburg ein ausreichendes P&R-Angebot schaffen. Wo haben wir neuen Bedarf, wo müssen wir nachsteuern?“, sagte der Manager. Einen Standort hat er im Nordwesten ausgemacht: Beim Hörgensweg am Autobahndreieck A23/A7 und dem S-Bahnanschluss Eidelstedt möchte er Pendler aus Richtung Pinneberg (Schleswig-Holstein) abfangen. 600 Stellplätze könnten dort entstehen.

Insgesamt bietet P&R rund 8700 Stellplätze an Strecken der U- und S-Bahnen. Auch zwei von vier Flächen, die noch mit Flüchtlingen belegt sind, sollen 2018 wieder für das Parken bereitgestellt werden (Niendorf Markt/Mittlerer Landweg). Zwei andere Standorte am Lattenkamp und voraussichtlich am Friedrichsberg werden nicht weitergeführt, weil sie kaum von Pendlern genutzt werden und damit nicht den Betriebszweck erfüllen. Der sehr gut ausgelastete Standort Harburg (892 Plätze) soll um 200 Stellplätze bis 2020/21 aufgestockt werden.

Bei „Sorgenkindern“ wie zum Beispiel auf der Veddel will der Geschäftsführer mit Hilfe der Digitalisierung eine höhere Auslastung statt zuletzt 30 Prozent (Parkhaus) erreichen. Ein Park-Leitsystem mit frühzeitigen Hinweisschildern an Autobahnen soll in die nächste freie Abstellanlage lenken. „Wir sind soweit, dass wir im nächsten Jahr mit der Umsetzung beginnen können.“ Später könnten solche Informationen auch in Navigationssysteme eingepflegt werden, sagte Uphoff. Zu weiteren Zielen gehört, das Bezahlen am Automaten auf Modelle mit Handy-Nutzung umzustellen. „Da wollen wir hin.“

Obgleich viele P&R-Nutzer aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern kommen, ist eine länderübergreifende Zusammenarbeit angesichts der Vielzahl der beteiligten Länder und Kommunen nach den Worten von Uphoff ein schwieriges Unterfangen. Vier Bundesländer beziehungsweise jede einzelne Kommune müsste für den Bau einer potenziellen Anlage an einer Schnellbahnstrecke einbezogen werden. Und dennoch: „Durch ein übergreifendes Konzept für Kommunen rund um den Stadtstaat Hamburg könnten die Verkehre noch besser gelenkt werden“, meinte Uphoff.

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