zur Navigation springen

Rockerkrieg, Flüchtlinge und Terrorgefahr : Hamburgs neuer Innensenator steht vor großen Aufgaben

vom

Andy Grote tritt die Nachfolge von Michael Neumann an. Dabei muss er viele Herausforderungen meistern. Am neuen Amtsinhaber gibt es bereits Kritik.

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2016 | 17:59 Uhr

Hamburg | Die Fußstapfen sind so groß wie die Erwartungen: Hamburgs designierter Innensenator Andy Grote (SPD) steht vor einem Gebirge von Herausforderungen. Dass der bisherige Amtsinhaber Michael Neumann (SPD) nach seinem Rücktritt am Montag mit viel Lob verabschiedet wurde, macht die Sache für den Neuen nicht leichter. Gerade in der Polizei hielten nicht Wenige große Stücke auf Neumann. Grote muss zeigen, dass er den Job mindestens genauso gut macht.

Dass der bisherige Chef des Bezirksamts Mitte keine Erfahrung im Bereich der Inneren Sicherheit vorweisen kann, sorgt für unverhohlene Skepsis. „Hamburg bracht einen Fachmann als Innensenator und keinen Stadtentwicklungsexperten“, giftet Oppositionsführer André Trepoll (CDU). Auch der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, ist von Grotes Eignung nicht überzeugt. Dieser sei nur aus „Proporzgründen“ ins Amt gekommen, ärgert sich der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete. Tatsächlich gehört Grote wie Neumann dem einflussreichen SPD-Kreisverband Mitte an. Einen Kandidaten aus einem anderen Kreis hätte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) seinen Genossen kaum verkaufen können.

Der kommende Innenressortchef müsse sich schnell im Senat durchsetzen, fordert Lenders, der damit den Finger in dieselbe Wunden legt wie Gerhard Kirsch, Landeschef der konkurrierenden Gewerkschaft der Polizei (GdP). Auch er verlangt zügig mehr Stellen für die durch Terrorabwehr, Milieu-Scharmützel und Flüchtlingsthematik hoch belasteten Sicherheitskräfte. Viel erwartet Kirsch vom Neumann-Nachfolger in Sachen Personalaufstockung aber nicht. „Es wird wohl bei unserem zähen Ringen bleiben.“ 

Solcherlei Ärger mit den Gewerkschaften ist nur eine von vielen Baustellen, mit denen es Grote schon vom morgigen ersten Amtstag an zu tun bekommt. In der Innenbehörde ist gut zu tun:

Rockerkrieg

Seit Monaten schaukeln sich die Revierauseinandersetzungen zwischen Hells Angels und Mongols um die Vorherrschaft im Rotlichtmilieu hoch. Zuletzt gab es zwei Mordanschläge auf Mongols-Rocker. Die Polizei greift hart durch, doch gelingt es nicht schnell, den blutigen Streit zu beenden, hat Grote ein Problem.

Silvester-Übergriffe

Weit mehr als 300 junge Frauen wurden in der Silvesternacht auf St. Pauli sexuell attackiert und bestohlen. Anders als die Kollegen in Köln hat die Hamburger Polizei noch immer keine Festnahmen vorzuweisen. Grote muss zudem entscheiden, ob die stationäre Videoüberwachung auf der Reeperbahn reaktiviert werden soll.

Terrorgefahr

Die Großstadt Hamburg mit ihren vielen sensiblen Einrichtungen gilt als potenzielles Anschlagsziel islamistischer Terroristen. Niemand im Senat hat vergessen, dass die Attentäter des 11. September 2001 aus Hamburg kamen. Unverändert lebt eine nicht unerhebliche Anzahl salafistischer Gefährder in der Hansestadt.

Flüchtlinge

Der Innensenator ist für die Erstaufnahme von Asylbewerbern zuständig. Vorgänger Neumann hat dabei zuletzt keine überzeugende Figur gemacht. Das Thema bleibt auch für Grote heikel, auch weil im Stadtstaat Platz für Erstaufnahmeunterkünfte begrenzt ist. Die Enge in den Quartieren sorgt täglich für Prügeleien, was Hamburgs Polizei zusätzlich belastet.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen