Nach Brand von Grenfell-Tower in London : Hamburgs Hochhausfassaden sind sicher vor Feuer – bis auf wenige Ausnahmen

Ein Hochhaus im Hamburger Stadtteil Osdorf ist mit einem Baugerüst verkleidet, damit die Fassade überprüft und die Isolation ausgetauscht werden kann.

Ein Hochhaus im Hamburger Stadtteil Osdorf ist mit einem Baugerüst verkleidet, damit die Fassade überprüft und die Isolation ausgetauscht werden kann.

Eigentümer von Hochhäusern in Hamburg mussten ihre Fassaden überprüfen. In 85 Prozent der Fälle gibt es ein gutes Ergebnis.

shz.de von
30. Januar 2018, 07:58 Uhr

Hamburg | Nach dem verheerenden Hochhausbrand des Grenfell Towers in London im vergangenen Jahr sind in Hamburg an mehr als drei Vierteln der mehrstöckigen Gebäude die Fassadendämmungen überprüft worden. Von den Eigentümern von 675 Hochhäusern in der Stadt gebe es von 85 Prozent positive Rückmeldungen, teilte die Stadtentwicklungsbehörde mit. Sie hatte im Juli 2017 mit der Feuerwehr die Prüfphase vereinbart.

Als Hochhäuser sind in Hamburg Gebäude klassifiziert, deren Fußböden des obersten Geschosses höher sind als 22 Meter über der Geländeoberfläche. Mehr als 230 Hochhäuser werden nur zum Wohnen genutzt, mehr als 285 sind Bürogebäude und die übrigen eine Mischung aus beidem.

Daraufhin wurden alle Eigentümer angeschrieben und gebeten, die Hochhaus-Fassaden auf Nichtbrennbarkeit hin zu prüfen und dies schriftlich der Behörde zu melden. Sie geht bei den von ihr geprüften Antworten offenkundig davon aus, dass die Fassaden den Anforderungen entsprechen. 19 Gebäude oder drei Prozent seien aktuell in der Prüfung, bei den übrigen zwölf Prozent werde noch auf eine Rückmeldung gewartet. „Hier werden sich die Prüfungen vermutlich noch hinziehen und, wenn nötig, auch vor Ort durchgeführt“, teilte die Behörde mit.

Brennbare Stoffe in Altonaer Wohnhochhaus

Anders beim Altonaer Spar- und Bauverein (Altoba). Er stellte selbst fest, dass beim Bau seines 16-stöckigen Wohnhochhauses 1969 im Stadtteil Osdorf in der Fassadenkonstruktion brennbare Baustoffe verbaut worden waren. Hinter den asbesthaltigen Faser-Zementplatten befanden sich Dämmplatten aus gepressten Holzspänen, die als brennbar gelten und daher unzulässig sind. Daraufhin starteten im vergangenen November Sanierungsarbeiten.

Bis Ende März soll die komplette Fassade entfernt sein. Es werde derzeit an einem Konzept für eine neue Verkleidung gearbeitet, sagte eine Altoba-Sprecherin. Im Anschluss an die neue Einkleidung soll das Hochhaus noch im Innern – Leitungen, Rohre, Bäder – modernisiert werden. Für die Sanierungsphase wurden nach Angaben der Genossenschaft zusätzliche Brandschutzmaßnahmen veranlasst, darunter eine Brandwache und eine weitere Brandmeldeanlage.

Eine Überprüfung allein aufgrund der Akten hält ein Hamburger Brandschutz-Sachverständiger für schwierig, wie er dem ZDF-Magazin „Frontal 21“ sagte. „Konkrete Angaben zu den Materialien sind in der Baugenehmigung nicht üblich“, wird Tim Wackermann zitiert. Er sprach sich für eine Prüfinstanz aus, die kontrolliert, ob die festgesetzten Anforderungen auch umgesetzt wurden.

Nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde werden Hochhäuser alle fünf Jahre nach der Brandverhütungsschauverordnung (BVSO) von der Feuerwehr überprüft, die technischen Anlagen in den Gebäuden soll sich ein Prüfsachverständiger alle drei Jahre vornehmen. Hochhäuser sind Sonderbauten, an die nach § 51 der Hanseatischen Bauordnung besondere Anforderungen „insbesondere zum Brandschutz und zur technischen Gebäudeausrüstung“ gestellt werden können. Bei neu zu bauenden Hochhäusern müssen alle tragenden Bauteile – Wände, Stützen, Decken – feuerbeständig sein und Außenwände aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. Außerdem gibt es Vorschriften zu Treppenhäusern, Feuerwehraufzügen und Wandhydranten.

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