„Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot“ : Hamburger Winternotprogramm für Obdachlose endet

Obdachlose in Hamburg. /Archiv
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Obdachlose in Hamburg. /Archiv

Ab Samstag müssen nach Angaben des „Hamburger Aktionsbündnisses gegen Wohnungsnot“ 2000 Menschen auf der Straße schlafen

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30. März 2017, 12:52 Uhr

Hamburg | Zum Ende des Winternotprogramms für Obdachlose hat das „Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot“ den rot-grünen Senat zu deutlich mehr Engagement für Wohnungslose aufgefordert. „Die Stadt muss sofort handeln: Wir brauchen dringend ausreichend Wohnraum und ausreichend Unterbringungsplätze für die Menschen, die in Hamburg auf der Straße leben“, erklärte Bettina Reuter vom Aktionsbündnis am Donnerstag anlässlich einer Protestaktion vor der Sozialbehörde.

An diesem Samstag endet das Winternotprogramm, durch das von November bis Ende März 940 zusätzliche Schlafplätze für wohnungslose Menschen zur Verfügung standen, um sie vor dem Erfrieren zu bewahren. „Schätzungsweise 2000 Menschen müssen dann in Hamburg schutzlos auf der Straße schlafen, dazu kommen etwa 12.000 Menschen, die in Unterkünften nur notdürftig untergebracht sind und dringend eine Wohnung brauchen“, betonte Reuter.

Das Aktionsbündnis - ein Zusammenschluss von knapp 20 Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Hamburg - forderte den Senat auf, den Kampf gegen Wohnungslosigkeit zu einem Schwerpunkt seiner Politik zu machen. Unter anderem müsse er das Winternotprogramm - anders als in dieser Saison - im nächsten Winter wieder allen Menschen in Not öffnen und einen anonymen, niedrigschwelligen Zugang gewährleisten.

Nach Angaben der Sozialbehörde fanden mit Ende des Winternotprogramms 245 Obdachlose ein Dach über dem Kopf. 162 von ihnen seien direkt aus den beiden städtischen Standorten in reguläre Wohnunterkünfte vermittelt worden. Weitere 83 Obdachlose würden zunächst im „Pik As“ untergebracht und sollen in eine Wohnunterkunft umziehen, sobald dort ein Platz frei ist.

32 Obdachlose seien über ihren Anspruch auf eine öffentlich-rechtliche Unterbringung informiert worden, lehnten einen Platz in einer Wohnunterkunft aber ab. Sie würden am Samstagmorgen auf die Straße zurückkehren. „245 Obdachlose leben nicht mehr auf der Straße. Das ist eine außerordentlich gute Nachricht“, erklärte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). Das Winternotprogramm war am 1. November gestartet.

Die durchschnittliche Auslastung von November bis März lag nach Angaben der Sozialbehörde bei gut 90 Prozent. An manchen Tagen kam es jedoch vereinzelt auch zu Überbelegungen. Das Budget wurde auf rund 2,5 Millionen Euro aufgestockt, um die Beratungsarbeit zu verstärken.

Dabei geht es darum, die Perspektiven der betroffenen Menschen zu klären, mögliche Ansprüche an private Arbeitgeber oder öffentliche Kassen zu überprüfen und Wege aus der Obdachlosigkeit zu finden.

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