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IS-Heimkehrer : Hamburger Verfassungsschutz: Nicht jeder Syrien-Heimkehrer ist gefährlich

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460 Salafisten leben laut Verfassungsschutz in Hamburg. Die Propaganda zeigt auch bei Frauen Wirkung. Doch nicht jeder, der zurückkehrt ist eine tickende Zeitbombe.

Hamburg | Der Hamburgische Verfassungsschutz beobachtet Heimkehrer aus den Bürgerkriegsgebieten in Syrien und dem Irak, hält sie aber nicht automatisch für tickende Zeitbomben. Seit 2012 seien etwa 60 Hamburger aus der islamistischen Szene dorthin gereist, 20 seien wieder hier, sagte Verfassungsschutz-Chef Torsten Voß. „Weniger als eine Handvoll von ihnen wurden an Waffen ausgebildet und haben dort gekämpft“, sagte Voß. 0„Und wenn einige dann hier wieder in die islamistische Szene zurückgehen, heißt das noch lange nicht, dass sie bis an die Zähne bewaffnet darauf warten, einen Anschlag begehen zu können.“ Kommen Islamisten nach Hamburg zurück, „machen wir eine Gefährdungsanalyse“, erläuterte Voß das Vorgehen. „Wir sprechen sie an, wir sprechen auch mit dem sozialen Umfeld. Wir versuchen zu erfahren, was sie in Syrien gemacht haben.“ Von einer Armee tickender Zeitbomben könne keine Rede sein. „Wir hatten aber auch schon Rückkehrer, die in Syrien oder im Irak gekämpft haben, und bei denen wir eine bestimmte Gefahrenschwelle erreicht sahen und die Informationen an die Polizei weitergegeben haben.“

Voß warnte vor der Propaganda der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und vor den Ständen der salafistischen Koran-Verteiler. Einige der Menschen, die in den Bürgerkrieg gereist seien, hätten vorher an den Koran-Ständen mitgearbeitet. „Seit 2012 haben wir bisher mehr als 150 Stände gezählt. Bis Jahresende werden es sicherlich um die 200 sein“, glaubt Voß, Tendenz steigend.

„Der IS ist nicht so eine Geheimorganisation, wie sie Al Kaida bis zum Anschlag auf das World Trade Center 2001 war“, sagte Voß. „Der IS will die Öffentlichkeit und setzt dabei professionell auf die Medien. Der hat so etwas wie richtige Propagandaminister und fördert den Austausch über soziale Netzwerke.“ Die Propaganda zeige auch Wirkung bei Frauen. „Sie reisen nicht mehr nur als Begleiterin, sondern alleine in die Dschihad-Gebiete, um dort einen ihrer ,Helden' zu heiraten“, sagte Voß. Aus Hamburg seien es bislang zehn. Ein Mittel der Propaganda sei das Magazin „dabiq“ im Internet. „Da sieht man beispielsweise Bilder von der untergehenden Sonne, den Kämpfer mit der Kalaschnikow in der Hand, alles sehr romantisierend.“ Es gebe auch soziale Netzwerke, in denen Frauen sich beraten, wie man am besten nach Syrien reisen und einen Ehemann finden könne.

Die Salafisten stuft der Verfassungsschutz als extremistisch ein und beobachtet sie. „Wir unterscheiden politische und dschihadistische Salafisten“, erläuterte Voß, „Ein dschihadistischer Salafist unterstützt den bewaffneten Kampf, den Terrorismus, zum Beispiel Al Kaida, zum Beispiel den IS. In Hamburg haben wir 460 Salafisten, davon sind 270 dschihadistische Salafisten.“ „Die Zahl der Dschihadisten hat sich binnen eines Jahres fast vervierfacht“, sagte Voß. „Als ich am 1. Juli vergangenen Jahres die Leitung des Landesamtes übernahm, waren in Hamburg 70 Dschihadisten bekannt, heute 270.“ Er habe einen Schwerpunkt gesetzt, und zwar auf die Aufklärung der islamistischen und salafistischen Szene, vor allem durch eine noch stärkere Auswertung des Internets. „Der größte Teil des Zuwachses erklärt sich sicherlich aus dieser Schwerpunktsetzung. Aber wir haben auch weiterhin Zulauf in die salafistische Szene, vor allem durch junge Menschen.“

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erstellt am 01.Aug.2015 | 10:05 Uhr

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