Cruise Days & Co. : Hamburger Veranstalter wollen zusätzliche Kosten für Terrorabwehr nicht zahlen

Veranstaltungen wie die Cruise Days ziehen jährlich tausende Menschen nach Hamburg.
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Veranstaltungen wie die Cruise Days ziehen jährlich hunderttausende Menschen nach Hamburg.

Mit einem Positionspapier an die Stadt wehren sich die Veranstalter gegen anfallende Ausgaben. Die Verantwortung liege beim Staat.

shz.de von
24. Januar 2018, 15:59 Uhr

Hamburg | „Fanfest und Cruise Days droht das Aus“ titelte das Hamburger Abendblatt am Dienstag. Veranstalter von Volks- und Stadtfesten in Hamburg haben sich zusammengetan und ein Positionspapier unterschrieben. Sie wollen die Kosten für Poller, Wassertanks und Zäune zum Schutz vor Terrorangriffen nicht mehr übernehmen. Ende der Woche soll der Brief der Stadt übermittelt werden. Durch das Schreiben wird die Diskussion neu entfacht, wer die zusätzlichen Kosten für Terrorsicherheitsmaßnahmen tragen muss.

 

Katja Derow: „Die Cruise Days stehen nicht vor dem Aus“

Dass die Veranstaltungen in Gefahr sind, will Katja Derow, Mitveranstalterin der Cruise Days, nicht unterschreiben. „Die Überschrift ist unglücklich gewählt – sehr drastisch formuliert“, sagt die Geschäftsführerin von der Agentur redroses communications. Das Problem der Veranstalter, die hohen zusätzlichen Kosten für Terrorsicherheit tragen zu müssen, teilt sie jedoch. „Die Belastung ist eine Zumutung. Die zusätzlichen Kosten haben ein Loch ins Budget gerissen, das wir so kurzfristig nicht einplanen konnten.“ Auch auf die zukünftige Planung von Veranstaltungen wirkten sich die Terrorsicherheitsmaßnahmen aus. Man müsse dann an anderer Stelle sparen – darunter leide langfristig die Qualität der Veranstaltungen.

Katja Derow: „Es wäre sehr schade, wenn man an der Veranstaltung sparen muss, um sie finanzieren zu können.“
Foto: Christophe Gateau/dpa

Katja Derow: „Es wäre sehr schade, wenn man an der Veranstaltung sparen muss, um sie finanzieren zu können.“

 

Das Positionspapier sei ein „freundlicher Vorstoß“, das Thema auf die Agenda zu setzen, und keine Drohung. „Wir sitzen gemeinsam in einem Boot mit anderen Hamburger Veranstaltern“, sagt Derow und betont: „Die Cruise Days stehen nicht vor dem Aus. Es wäre nur sehr schade, wenn man an der Veranstaltung sparen muss, um sie zu finanzieren.“

Diese Position vertritt auch ihr Kollege Uwe Bergmannm, Geschäftsführer der Bergmanngruppe. Das Positionspapier sei mit dem Ziel verfasst worden, mit der Stadt in einen konstruktiven Dialog zu treten. „Wir wollen eine Rechtssicherheit haben. Wir wollen kein Geld von der Stadt haben, was uns nicht zu steht. Aber wir wollen auch kein Geld zahlen, das wir nicht müssen", stellt er klar und weist auf das Urteil zur Terrorsicherheit eines Berliner Weihnachtsmark-Betreibers hin. Das Gericht argumentierte, der Schutz vor Terroranschlägen obliege nicht dem Veranstalter, sondern dem Staat.

Uwe Bergmann: „Ich kann ja keine eigene Armee aufbauen“

Im vergangenen Jahr mussten die Veranstalter die zusätzlichen Terrormaßnahmen umsetzen, die von der Polizei nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt angesetzt wurden. „Es stellt sich die Frage, wer für die zusätzlichen Kosten aufkommen muss. Terrorgefahr kommt  nicht von der Veranstaltung selbst, sondern von Außen“, ist Uwe Bergmann überzeugt.

Sicherheit sei ein „oberstes Gut“. Er übernehme selbstverständlich die Sicherheit bei den Veranstaltungen, sehe die Verantwortung für Terrorgefahr aber beim Staat: „Ich kann ja keine eigene Armee aufbauen.“ Generell würde er lieber Geld in die Qualität der Veranstaltung stecken, als in weitere Sicherheitsmaßnahmen. Deswegen hoffe er auf eine Lösung zu Gunsten der Hamburger Veranstalter.

„Wir stehen für Gespräche zur Verfügung und hoffen auf einen guten Dialog mit der Stadt zu diesem Thema. Andernfalls wird wie in Berlin ein Gericht entscheiden müssen“, sagte er gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Mit dpa.

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