zur Navigation springen

„Mach's gut, Helmut. Und grüß Loki.“ : Hamburger tragen sich in Kondolenzbuch ein

vom

Mit Blumen, Plakaten und Mentholzigaretten: Viele Hamburger nehmen im Rathaus Abschied von Helmut Schmidt.

Hamburg | Im Hamburger Rathaus haben sich am Mittwoch zahlreiche Hamburger in ein Kondolenzbuch für den gestorbenen Altkanzler Helmut Schmidt eingetragen. Hunderte standen am Vormittag im Nieselregen noch Schlange. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank verfassten in der Rathausdiele die ersten Einträge.

Der Sozialdemokrat starb am Dienstag zu Hause in Hamburg mit 96 Jahren im Kreis seiner Familie. Führende deutsche und europäische Politiker würdigten ihn als eine der prägendsten Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte. Nach der Nachricht von seinem Tod legten Menschen am Nachmittag vor seinem Haus Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Zahlreiche Fernsehteams und Fotografen versammelten sich.

„Die Freie und Hansestadt Hamburg wird ihrem Lotsen stets ein ehrendes Andenken bereiten“, schrieb Veit in das Buch. Fegebank trug sich mit den Worten „Die Welt verliert eine Stimme der Vernunft, unsere Stadt einen geliebten Sohn“, in das Buch ein. Vor einem schwarz gerahmten Porträt des am Dienstag im Alter von 96 Jahren gestorbenen Altkanzlers hielten beide anschließend kurz inne. Ein großer Strauß aus Gladiolen, Rosen und anderen Blumen stand dort für Helmut Schmidt.

Viele Hamburger hatten zuvor auf dem Arbeitsweg vor dem Rathaus an Schmidt erinnert. Ein Krankenpfleger machte nach der Nachtschicht extra noch einen Umweg und hielt am Rathaus-Eingang kurz inne. „Früher habe ich wegen des Nato-Doppelbeschlusses gegen ihn demonstriert, doch seine Treue zur Stadt habe ich immer bewundert“, sagte der 51-jährige Matthias Krüger. „Er wohnte in einem einfachen Haus in soweit es ging normalen Umständen“, sagte Krüger, der sich noch in das Buch eintragen wollte.

Alex Traumann hat auf dem Weg zur Arbeit dem Hanseaten Schmidt gedacht. „Als Dankeschön für einen Mann der Tat“ unterschrieb der 41-jährige in dem Buch. Vor den noch am Morgen in der Rathausdiele aufgehängten schwarzen Stoffbahnen sagte der Kameramann: „Ob seine Entscheidung die Bundeswehr bei der Sturmflut 1962 im Innern einzusetzen oder seine Haltung bei der Landshut-Entführung in Mogadischu, er hat die Dinge nicht ausgesessen, sondern gehandelt.“

Der wuselige Rathausmarkt war am Mittwoch vom Gedenken an Helmut Schmidt ebenfalls geprägt - trotz Handwerkern, die Buden für den Weihnachtsmarkt aufbauten. Die große Deutschlandfahne halbmast, auf Plakaten vor dem Rathaus wünschten die Hamburger Schmidt unter anderem: „Mach's gut, Helmut. Und grüß Loki.“ Auch ein Päckchen Mentholzigaretten wurde neben Blumen und Kerzen abgelegt.

Auch persönlich ist der Staatsmann Schmidt und seine 2010 gestorbene Ehefrau Loki vielen Hamburgern noch im Gedächtnis. „Die Menschlichkeit der beiden werde ich vermissen“, sagte die 70-jährige Krankenschwester Renate Faber. „Das Ehepaar prägte die hanseatische Mentalität wie kein anderer. Die beiden waren ein Gottesgeschenk“, sagte Faber. Eine Putzfrau, die am Rathausmarkt arbeitet, sagte: „Man kannte ihn nicht, aber es war, als sei ein Freund gegangen.“ Gestern habe sie nach der Nachricht des Todes erst mal ihre Schwester anrufen müssen.

Am Tag nach Schmidts Tod haben auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel in Berlin mit Einträgen in ein Kondolenzbuch ihrer Trauer um den Altkanzler Ausdruck gegeben. Gauck ordnete zum Gedenken an den Verstorbenen einen Staatsakt an. Der Termin stand zunächst noch nicht fest.

Schmidts Leichnam wurde am Vormittag aus seinem Haus in Hamburg-Langenhorn gebracht. Als der Leichenwagen das Grundstück verließ, salutierten Polizeibeamte.

Gauck schrieb im Kanzleramt in Berlin nach Angaben des Bundespräsidialamtes: „Dank dem Staatsmann, der seinem, unserem Land mit Weitsicht, Entschlossenheit und der Leidenschaft zur Vernunft diente. Dank dem Bürger, der uns vorlebte, daß Verantwortung der Lebensatem der Demokratie ist.“

Merkel äußerte sich „in tiefer Trauer und Respekt vor einem großen Staatsmann“. Vor einem Ölbild des Altkanzlers schrieb auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) einige Zeilen in das in der Regierungszentrale ausgelegte schwarze Buch.

Wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte, liegt das Kondolenzbuch bis Mittwoch nächster Woche im Kanzleramt aus. Auch im Willy-Brandt-Haus der SPD gibt es ein Kondolenzbuch zu Ehren des Sozialdemokraten.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Nov.2015 | 12:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen