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Ernst-Reuter-Platz in Berlin : Hamburger stößt Frau „mit Anlauf“ vor U-Bahn – 20-Jährige tot

vom

Warum der 28-Jährige die junge Frau vor die U-Bahn gestoßen hat, ist unklar. Der Mann ist kein unbeschriebenes Blatt. Er soll in einer psychiatrischen Klinik unterkommen.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 20:37 Uhr

Berlin | Ein 28 Jahre alter Mann aus Hamburg soll eine Frau auf einem U-Bahnhof in Berlin mit Anlauf vor einen Zug gestoßen und dadurch getötet haben. Das haben erste Ermittlungen zu dem tödlichen Vorfall am Dienstagabend ergeben, wie ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Mittwoch sagte. Die 20-Jährige wurde am Dienstagabend gegen 23.40 Uhr auf dem U-Bahnsteig am Ernst-Reuter-Platz von dem einfahrenden Zug überrollt, wie die Polizei mitteilte. Zeugen hielten den Mann fest und übergaben ihn den Beamten. Am Abend wurde entschieden, dass der Mann in einer psychiatrischen Klinik unterkommt. Einem Gutachten zufolge gebe es Anhaltspunkte für eine erheblich geminderte bis aufgehobene Schuldfähigkeit, hieß es bei der Behörde.

Ursachen für eine verringerte Schuldfähigkeit könnten etwa eine Persönlichkeitsstörung, Suchtprobleme oder Schizophrenie sein, erläutert die Berliner Psychologin Isabella Heuser. „Auch ein psychisch Kranker kann voll schuldfähig sein, wenn er zum Beispiel aus Frust gehandelt hat.“ So gut wie nichts ist dagegen über das erst 20-jährige Opfer bekannt.

Warum es zu dem tödlichen Vorfall im Bahnhof im Stadtteil Berlin-Charlottenburg kam, ist unklar. Der Hamburger war zur Tatzeit erst seit zwei Stunden in Berlin. Er habe zunächst vergeblich versucht, in einer Obdachlosenunterkunft unterzukommen. Auf dem Weg in eine andere Unterkunft sei es dann zu der Tat gekommen. Sein Opfer wählte er offenbar nicht bewusst: Die Polizei ging nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass sich das Opfer und der mutmaßliche Täter nicht kannten. Das Motiv des Mannes war zunächst unklar.

Laut Staatsanwaltschaft ist der Mann kein unbeschriebenes Blatt: Eine „erhebliche Gewalttat“ liege etwa 15 Jahre zurück. Zudem habe es zuletzt in Hamburg weitere Verfahren gegen ihn gegeben, so der Sprecher der Berliner Ermittlungsbehörde. Der Mann habe außerdem unter Betreuung gestanden. Ob eine psychische Erkrankung Ursache dafür sein könnte, blieb offen. Auch Einzelheiten zu bisherigen Delikten wurden nicht genannt.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisierte die norddeutschen Justizbehörden: „Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde“, teilte Henkel am Mittwoch mit. Er zeigte sich über die Tat bestürzt: „In meinem Amt ist man immer wieder mit unfassbaren Gewalttaten konfrontiert. Aber dieses Verbrechen sticht in seinem Wahnsinn noch einmal heraus. Das ist eine entsetzliche Tat.“

Noch nicht geklärt war am Nachmittag auch, ob der 28-Jährige zum Tatzeitpunkt unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand und ob der Vorfall auf Videoaufzeichnungen aus dem Bahnhof zu sehen ist. Die Fahrerin der U-Bahn erlitt einen Schock.

 

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