Internet-Distrikt Eichtalpark Wandsbek : Hamburger SPD gründet ersten Online-Ortsverein

Hauke Wagner.
Hauke Wagner.

Es ist deutschlandweit der erste reine Internet-Distrikt. Im Eichtalpark in Wandsbek wird künftig online diskutiert. Hauke Wagner ist einziger Kandidat für den Vorsitz.

shz.de von
20. Januar 2015, 14:09 Uhr

Hamburg | Ausgerechnet die gute, alte Tante SPD: Die Hanse-Sozialdemokraten haben als erste größere Partei bundesweit einen reinen Internet-Distrikt gegründet. Der Online-Ortsverein Eichtalpark im Parteikreis Wandsbek soll Mitarbeit und Mitsprache für Mitglieder revolutionieren. „Ich freue mich als stellvertretende Kreisvorsitzender ganz besonders, dass ausgerechnet mein Kreisverband ein Stück sozialdemokratische Geschichte schreibt“, sagt Vizekreischef Hauke Wagner (32), einziger Kandidat für den Vorsitz des virtuellen Distrikts.

In einem Mitgliederbrief erklärt die Regierungspartei den Genossen, wie das Online-Angebot funktionieren soll – und vor allem, dass sich niemand vor Lecks fürchten müsse: „Die Sicherheit der Daten hat oberste Priorität.“ Jegliche Kommunikation laufe über einem SPD-eigenen Server, der in der Parteizentrale an der Kurt-Schumacher-Allee steht. „Dort und nur dort werden auch alle relevanten Nutzerdaten gespeichert. Anders als bei Facebook bleiben wir also jederzeit im Besitz der Daten“, verspricht die Parteiführung. Sämtlicher Datenaustausch sei über eine 2048-Bit SSL-Verschlüsselung abgesichert.

Hard- und Software für den virtuellen Ortsverein liefert das Hamburger Startup-Unternehmen Protonet, das zwei Anwendungen zur Verfügung stellt. Über die Kommunikationsplattform können Nutzer Neuigkeiten austauschen, diskutieren, Aufgaben verteilen sowie Termine festlegen. So wie bei Facebook, aber auf einem SPD-Rechner und nur parteiöffentlich. Dazu gibt es eine Beschluss-Plattform, über die Online-Mitglieder gemeinschaftlich Anträge formulieren, diskutieren und schließlich darüber digital abstimmen sollen.

Vom ersten Parteidistrikt 2.0 versprechen sich die Sozis an der Elbe die Umsetzung eines von ihrem Landesvorsitzenden Olaf Scholz ausgegebenen Ziel: „Wir wollen die bundesweit führende Internet-Partei werden“, hatte der Bürgermeister bereits 2012 angekündigt. In jedem der sieben SPD-Kreise soll mindestens ein Online-Ortsverein entstehen. Dahinter steht die Einsicht, dass traditionelle Parteiarbeit mit ihren endlosen abendlichen Gremiensitzungen und allerlei Vereinsklüngel jüngere Interessierte eher abstößt. Im virtuellen Distrikt soll jeder unkompliziert mitmachen können, auch vom heimischen Sofa oder aus Urlaubsort. Allerdings darf dies nur unter den wahren Namen geschehen, Pseudonyme sind nicht erlaubt. Treffen mit körperlicher Anwesenheit der Mitglieder soll es nur in Ausnahmefällen geben, etwa bei der Vorstandswahl.

Der designierte Distriktschef Hauke Wagner räumt ein einen längeren Überzeugungsprozess ein: „Natürlich haben uns 150 Jahre Tradition der alten Tante SPD nicht nur Rückenwind für diesen innovativen Weg beschert. Deshalb bedurfte es einer breiten Diskussion inklusive der Beteiligung unserer Parteibasis um alle mitzunehmen und zu beteiligen.“

Gerade der 32-Jährige scheint geeignet, das Gestern und Morgen der Hamburger Sozialdemokratie in seiner Person zu vereinen. Der Betriebs- und Volkswirt ist ein Sohn des langjährigen Bausenators und SPD-Urgesteins „Beton Eugen“ Wagner (72) und gehört dem Programmbeirat Digitale Gesellschaft der Bundes-SPD an.

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