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Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße : Hamburger Senat will zwei Straßen für alte Diesel sperren

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Autos, die ohne Euro 6 Norm unterwegs sind, sollen Teile der Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße nicht mehr befahren.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 12:57 Uhr

Hamburg | Zu einem generellen Fahrverbot für alte Dieselfahrzeuge konnte sich Hamburgs Senat zwar nicht durchringen. Allerdings soll es in zwei besonders abgasbelasteten Straßenabschnitten erstmals Durchfahrtbeschränkungen für ältere Diesel-Modelle geben. Betroffene sind Teile der Max-Brauer-Allee (Altona), wo künftig sowohl Diesel-Pkw als auch -Lkw ausgesperrt werden, die nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. In der Stresemannstraße (Altona) gilt dies nur für Lkw.

In vielen Städten Deutschlands ist die Luft zu schmutzig - und das hat Folgen für die Gesundheit. Autos mit hohem Ausstoß von gesundheitsschädlichen Stickoxiden (NOx) sollen deshalb auch aus Städten und Ballungsräumen ausgeschlossen werden.

„Das ist vertretbar, weil für den Durchfahrtverkehr leistungsfähige Alternativrouten existieren“, befand Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Dienstag bei der Vorlage des Entwurfs zum neuen Luftreinhalteplans. Auch Anlieger dürfen weiterhin in beiden Straßen mit älteren Diesel unterwegs sein. Das partielle Fahrverbot steht unter dem Vorbehalt eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts. Dieses will voraussichtlich noch 2017 entscheiden, ob Länder und Kommunen lokale Beschränkungen für bestimmte Motorentypen anordnen dürfen.

Anders als in der Metropole Hamburg sind Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in SH derzeit nicht in der Diskussion. „Es gibt zwar einige wenige Schwerpunkte, wo die Schadstoffbelastung hoch ist, aber überwiegend haben wir in Schleswig-Holstein gute Luft“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums den „Kieler Nachrichten“.

Als „zu kurz gesprungen“ bezeichnete Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Kfz-Gewerbeverbandes, laut der Zeitung die Pläne in Hamburg: „Wir brauchen im Norden ein Gesamtkonzept und keine Einzelmaßnahmen wie in Hamburg“. Diesel generell aus den Innenstädten zu verbannen, sei in der „derzeit aufgeregten Diskussion“ nicht zielführend. Bei Schadstoffausstößen müssten vielmehr alle Verursacher, wie etwa auch der Schiffsverkehr, gemeinschaftlich betrachtet werden.

Das geplante Teil-Diesel-Verbot in Hamburg ist die bemerkenswerteste Maßnahme des Luftreinehalteplans, zu dessen Vorlage Umweltschützer den rot-grünen Senat per Gerichtsurteil gedrängt hatten. Hintergrund ist vor allem der Umstand, dass Hamburg seit Jahren den EU-Grenzwert bei Stickstoffdioxid (NO2) nicht einhält; das schädliche Gas entsteht vor allem beim Verbrennungsvorgang in Auto- und Schiffsmotoren. Laut Kerstan wird der NO2-Wert aktuell an vier von 15 Messpunkten übertroffen: Max-Brauer-Allee, Stresemannstraße, Habichtstraße (Barmbek) und Kieler Straße (Altona). Nach einer Berechnung der Umweltbehörde sind davon 41.500 Menschen direkt betroffen; Umweltschützer waren bisher von 200.000 ausgegangen. Kerstan hofft, die Zahl der Betroffenen bis 2020 auf gut 1300 Personen zu senken.

Dazu verfolgt die Stadt rund ein Dutzend weiterer Maßnahmen. Diese setzen beim Straßenverkehr durchweg auf den freiwilligen Umstieg auf ÖPNV oder Fahrrad sowie die Umrüstung auf schadstofffreie Antriebe für Pkw, Lkw und Busse. Umweltzone und Citymaut hatte der Senat schon vorher auf Druck der SPD ausgeschlossen. Stattdessen setzt die Stadt nun auf einen massiven Ausbau des Radverkehrs, den Bau neuer U- und S-Bahnlinien, die Umstellung der Busflotten auf emissionsfreie Motoren sowie auf die Förderung der E-Mobilität.

Größer als angenommen ist die Luftbelastung aus dem Hafen an einigen Straßen in Altona, etwa der Palmaille, der Großen Elbstraße und in Neumühlen. Nach neuen Erkenntnissen der Umweltbehörde sorgen Schiffsabgase dort für 80 Prozent der NO2-Belastung. Um gegenzusteuern, sollen mehr Schiffsmotoren während der Liegezeiten mit LNG statt mit Schiffsdiesel laufen. Am Terminal Burchardkai ist dazu der Einsatz von vier Flüssiggas-Kraftwerken (Powerpacks) geplant. Am Terminal Altenwerder soll es eine zusätzliche Landstromanlage geben, ebenso an einem Eurogate-Terminal.

Der BUND begrüßte zwar die Diesel-Durchfahrtverbote, rechnet aber nicht mit einer schnellen Verbesserung: „Dass bis 2020 tatsächlich die Grenzwerte weitgehend eingehalten werden, sehen wir skeptisch.“

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