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Spannung vor Quartalszahlen : Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hat Afrika im Visier

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Hapag-Lloyd hat die Fusionswelle in der Containerschifffahrt überstanden. In Afrika sieht man noch Wachstumspotenzial.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 07:01 Uhr

Hamburg | Nach einem Kraftakt mit zwei Fusionen innerhalb weniger Jahre steht die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd weltweit in der Spitzengruppe der Branche. „Bezogen auf unsere eigene Flotte sind wir die Nummer drei in der Welt, weil unser Anteil an gecharterten Schiffen vergleichsweise gering ist“, sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen dem Mitarbeitermagazin des Unternehmens. In der Rangliste des Branchendienstes Alphaliner liegt Hapag-Lloyd mit einer Kapazität von knapp 2,5 Millionen Standardcontainern (TEU) auf Platz fünf.

Nach neun Jahren Krise hat die Schifffahrtsbranche eine beispiellose Fusions-, Übernahme- und Pleitewelle hinter sich. „Wir glauben, dass es künftig nur noch fünf bis sieben global tätige Containerreedereien geben wird“, sagte Habben Jansen. Fast die Hälfte der Top 20 von 2013 ist verschwunden oder verschwindet demnächst. „Aber die Zeit der großen Transaktionen ist wahrscheinlich vorbei.“ Nach den Fusionen mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV und dem arabischen Schifffahrtsunternehmen UASC verfügt Hapag-Lloyd über eine große und moderne Flotte, die ein dichtes Netz von Liniendiensten fast überall auf der Welt anbietet.

„Innerhalb Asiens und in Afrika bleiben wir noch hinter unserem Potenzial zurück“, sagte Habben Jansen. In den innerasiatischen Markt vorzudringen sei relativ schwierig, weil der Markt stark fragmentiert sei. „Afrika hingegen ist ein Fahrtgebiet mit enormem Wachstumspotenzial.“

In der kommenden Woche legt der Konzern seine Zahlen für die ersten neun Monate vor, die bei Anlegern und in der Branche gespannt erwartet werden. Zwar hat Hapag-Lloyd sein Geschäftsvolumen in den vergangenen Jahren glatt verdoppelt und hunderte von Millionen Euro auf der Kostenseite eingespart. Doch schlägt sich das bislang nicht in hohen Gewinnen nieder. Operativ war Hapag-Lloyd nach sechs Monaten im Plus, durch die Integrationskosten von UASC blieb am Ende dennoch ein Konzernverlust von 46 Millionen Euro. Immerhin hat sich der Aktienkurs seit dem Börsengang vor zwei Jahren zeitweise fast verdoppelt. Zuletzt ging es jedoch auch hier wieder leicht abwärts.

Der Markt der Containerschifffahrt ist auch nach neun Jahren Krise noch nicht wieder ins Gleichgewicht gekommen. Neben Habben Jansen hat auch Alfred Hartmann, der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder, immer wieder Anzeichen der Besserung ausgemacht. Er sah im September die Talsohle durchschritten und erwartete die Rückkehr zu normalen Verhältnissen in zwei Jahren. Doch bislang gibt es keine durchgreifende Erholung der Frachtraten, der Preise für den Containertransport. Bislang verpuffte noch jeder zaghafte Aufwärtstrend wieder – und das trotz wachsendem Welthandel.

Die Branche kommt einfach von ihren Überkapazitäten nicht herunter, auch wenn teilweise Schiffe verschrottet werden, die noch viele Jahre fahren könnten. Mit immer größeren Containerschiffen versuchen die Reedereien, ihre Kosten zu drücken und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Gerade haben die Reedereien MSC und CMA CGM nach einer längeren Bestellflaute neue Schiffe für 2020 geordert. Sie werden 22.000 TEU tragen können und damit nochmals viel leistungsfähiger als ihre Vorgänger sein, die nur ein Drittel davon transportieren konnten.

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