Nach Bluttat in Kandel : Hamburger Rechtsmediziner Püschel für Altersuntersuchungen bei Flüchtlingen

Der Chef der Hamburger Rechtsmedizin, Klaus Püschel. /Archiv
Der Chef der Hamburger Rechtsmedizin, Klaus Püschel. /Archiv

Der Chef der Rechtsmedizin fordert bei widersprüchlichen Angaben ein deutschlandweit einheitliches Vorgehen.

shz.de von
03. Januar 2018, 14:43 Uhr

Hamburg | Der Chef der Hamburger Rechtsmedizin, Klaus Püschel, hat sich in Zweifelsfällen für bundesweit einheitliche Altersuntersuchungen bei Flüchtlingen ausgesprochen. „Wenn es Widersprüche zwischen der Einschätzung der Behörden und den Angaben der Person gibt, dann bekommt sie die Möglichkeit, mit einer Untersuchung zu beweisen, dass sie jünger ist“, sagte Püschel der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag). So verfahre man bereits in Hamburg.

„Ich verstehe nicht, dass das nicht deutschlandweit einheitlich gehandhabt wird“, sagte der Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE). Die standardisierten Untersuchungsverfahren seien nicht aufwendig. „Ich verstehe auch nicht, warum Behörden nicht häufiger Angaben überprüfen, die offensichtlich falsch sein können.“

Er könne unzählige Beispiele an seinem Institut nennen, in denen Flüchtlinge der Lüge überführt wurden. „In der Vergangenheit waren ungefähr drei Viertel der Personen, die wir untersucht haben, viel älter, als sie behaupteten. In den letzten zwölf Monaten war es noch ungefähr die Hälfte. Es kann also sein, dass unsere Untersuchungen zumindest in Hamburg zu Klärung und Wahrheit beigetragen haben“, meinte der Rechtsmediziner.

Mit Blick auf ein Foto jenes jungen Afghanen, der in Kandel (Rheinland-Pfalz) eine 15-jährige Schülerin erstochen haben soll, sagte Püschel: „Anhand des Fotos ist diese Person für mich deutlich älter als 15 Jahre. Ich schätze den jungen Mann sogar auf deutlich über 20 Jahre.“ Nach der Tat waren erhebliche Zweifel am Alter des Täters aufgekommen. Er behauptet, selbst erst 15 Jahre alt zu sein.

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