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Til Schweiger und Co. : Hamburger Rechnungshof: NDR-„Tatorte“ sind viel zu teuer

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Aus der Onlineredaktion

Ein „Tatort“-Dreh in Norddeutschland ist kostspieliger als anderswo, bemängelt der Rechnungshof. Und das liegt nicht nur an Til Schweiger.

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erstellt am 14.Feb.2017 | 17:37 Uhr

Hamburg | Der Hamburger Rechungshof hat die „Tatort“-Produktionen des NDR in seinem Anfang der Woche vorgelegten Jahresbericht 2017 gerügt. Die Produktionskosten der TV-Krimis aus Hannover, Hamburg und Kiel lägen teilweise bis zu 20 Prozent über den veranschlagten Kosten und im Mittel 7,5 Prozent darüber, heißt es. Vor allem eine Produktion mit Til Schweiger schlägt zu Buche.

Neun der insgesamt 18 Tatort-Produktionen des NDR aus den Jahren 2012 bis 2014 wurden von den Rechnungshöfen der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen überprüft. Das Ergebnis ist deutlich: Die NDR-Produktionen liegen mit 1,7 Millionen Euro deutlich über den Produktionskosten der übrigen Tatorte (1,5 Millionen) aus anderen Senderanstalten der ARD.

Der NDR begründet die höheren Kosten damit, dass er auf besonders bekannte und deshalb kostenintensive Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure setzt und damit eine Reichweitensteigerung bewirken will. Allein der große Tross an Akteuren hinter der Kamera schluckt 30 Prozent des Budgets. Für den Rechnungshof zieht dieses Argument nicht, schließlich hätten die anderen Sendeanstalten ebenfalls hochkarätige Darsteller dabei.

NDR-Sprecher Martin Gartzke betont gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ dass der Sender den „Tatort“ als „Premium-Produkt“ behandele und so auch mehr Drehtage und eine aufwendigere Postproduktion für richtig halte. „Im Schnitt liegen die Produktionskosten der NDR-Tatorte nahe am ARD-Mittel", sagte Gartzke dem Blatt. Ein weiterer Grund für die erhöhten Kosten seien die Dreharbeiten im ländlichen Raum, wo es keine filmische Infrastruktur gebe, sagte der NDR-Sprecher. Auf die Berücksichtigung norddeutscher Regionen lege der NDR besonderen Wert. In der Tat spielten jene „Tatorte“ mit Wotan Wilke Möhring, Maria Furtwängler und Axel Milberg viel auf dem flachen Land.

Besonders teuer – aber so gar nicht ländlich – war der Action-Thriller „Der große Schmerz“ mit Til Schweiger als Nick Tschiller und Schlager-Queen Helene Fischer als russische Killerin. Laut Medienberichten soll der Streifen rund 2,1 Millionen Euro gekostet haben und damit fast 40 Prozent über den durchschnittlichen ARD-Produktionskosten liegen. Eine Reichweitensteigerung sei hier nicht festzustellen, bemängelt der Rechungshof, der sich auf die magere Einschaltquote von 8,24 Millionen Zuschauern bezieht. Ingesamt steht der NDR-Tatort quotentechnisch gut da: Vor allem die Episoden mit Maria Furtwängler aus Hannover überschreiten bei den Quoten regelmäßig die Zehn-Millionen-Marke.

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Dass alle 18 NDR-Folgen der Jahre 2012, 2013 und 2014 Fremdproduktionen waren, ist für den Rechnungshof zwar nachvollziehbar. Doch er geizt auch hier nicht mir Kritik. Das Verfahren der Prüfung der Kalkulationsunterlagen, das de facto einer bloßen Plausibilitätsprüfung gleichkomme, habe große Schwächen. Es mangele an Transparenz. Die Sachbearbeitung erfolge seit Jahren durch einen und denselben Produktionsmitarbeiter des NDR, heißt es. Der Rechnungshof forderte den NDR auf, nachvollziehbare Kriterien für die Überprüfung der Kalkulation zu entwickeln, durchgeführte Preisvergleiche zu dokumentieren und angemessene Vorsorge gegen Korruption zu treffen.

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