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Prozess gegen Ismail Özen : Hamburger Profiboxer gesteht Faustschlag gegen Autofahrer

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Als ihn ein Hilferuf erreicht, vertraut Özen auf seine Fäuste. Er streckt einen Angreifer nieder und trifft danach einen Unbeteiligten.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 14:19 Uhr

Hamburg | Der Hamburger Profiboxer Ismail Özen hat in einem Prozess vor dem Amtsgericht Altona seine Beteiligung an einer rätselhaften Auseinandersetzung im Juli 2016 eingeräumt. Der 37-Jährige gestand, einem unbeteiligten Autofahrer einen Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben. Er sei zuvor von seinem Neffen wegen einer Auseinandersetzung zu Hilfe gerufen worden.

Als er mit einem Taxi am Ort ankam, hätten ihn zwei Männer mit einem Messer angegriffen, einen habe er niederschlagen können. Andere Männer seien in einen Wagen gestiegen. Er habe vermutet, der Fahrer gehöre zu den Angreifern. „Ich war unter Schock, habe den Faustschlag gegeben. Dann hat sich herausgestellt, dass er damit nichts zu tun hat“, sagte Özen. „Ich kann mich bei dem nur entschuldigen.“ Der 23-jährige Autofahrer erlitt schwere Frakturen im Gesicht, musste sich operieren lassen und war vier Tage im Krankenhaus.

Acht Monate nach der Auseinandersetzung im Juli 2016 geriet Özen, der mit Janina Otto, Tochter des Unternehmers Michael Otto, verheiratet ist, offenbar erneut mit dem Gesetz in Konflikt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erwischte ihn die Polizei in Altona am Steuer eines Porsche, obwohl gegen ihn ein einmonatiges Fahrverbot verhängt worden war. Özen ist laut seiner Internetseite seit 2009 Deutscher Meister im Supermittelgewicht. Von 14 Kämpfen habe er zwölf gewonnen, elf durch K.o. Wie er vor Gericht sagte, ist er Vater eines sechsmonatigen Kindes und weiter als Profiboxer aktiv.

Der 23-jährige Autofahrer bestätigte als Zeuge, dass es in der Juli-Nacht eine Auseinandersetzung gegeben habe, bei der mindestens ein Mann mit einem Messer auf Özen losgegangen sei. Vor einer Garageneinfahrt seien ein Kollege und zwei weitere Männer zu ihm ins Auto gestiegen und er habe losfahren sollen. Plötzlich habe jemand die hintere Tür aufgerissen. „Ich dachte: Was geht ab? Und wollte gucken, was los ist und aussteigen. Da habe ich schon einen Schlag abbekommen“, sagte der Zeuge. Nach Angaben des Verteidigers zahlte die Familie von Özen dem Verletzten noch am selben Abend 800 Euro Entschädigung. Im Dezember sei es zu einem Täter-Opfer-Ausgleich gekommen.

Die Hintergründe der Auseinandersetzung kamen im Prozess zunächst nicht zur Sprache. Anfang des Jahres hatte Özen gesagt, sein Neffe sei von mehreren „türkischen, rechtsradikalen Terroristen“ bedroht worden. Der 17-Jährige sagte am Donnerstag als Zeuge aus, er habe an dem Juli-Abend auf einer Mauer gesessen und Pokémon gespielt. Plötzlich seien Unbekannte gekommen und hätten ihn provoziert. „Wenn du Eier hast, hol mal deinen Onkel“, hätten sie ihm gesagt. Dann hätten sie ihn gezwungen, dem Onkel eine SMS zu schreiben.

Ein 19-jähriger Zeuge räumte ein, er habe den Neffen provoziert, nachdem er dazu den Auftrag von einer Frau bekommen habe. Sie habe ihm dafür Geld versprochen. Als Özen und zwei Männer mit einem Messer auftauchten, sei er in ein Auto geflüchtet. „Ich habe den Kopf zwischen die Beine gesteckt und geweint, weil ich solche Angst hatte“, sagte der Zeuge, von Beruf Kurierfahrer.

Das Gericht will den Prozess am 19. Oktober mit weiteren Zeugenvernehmungen fortsetzen.

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