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Gertrudenkirchhof : Hamburger „Occupy“-Camp wird geräumt

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In der Hamburger Innenstadt verlassen die letzten Aktivisten eines der ältesten „Occupy“-Camps. shz.de beantwortet Fragen zur Bewegung.

Hamburg | Eines der ältesten „Occupy“-Camps wird seit Montagmorgen in der Hamburger Innenstadt geräumt. Zu Protesten sei es bislang nicht gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten seien jedoch vor Ort, um die Arbeit der Stadtreinigung abzusichern. Das Camp war als Teil einer internationalen Bewegung gegen die Macht von Banken und soziale Ungerechtigkeit im November 2011 entstanden.

Eigentlich hatten die Protestler schon zum Jahresende 2013 weichen sollen, dann aber noch eine letzte Frist erhalten. Die Demonstranten hatten aber bereits nach eigenem Bekunden in der vergangenen Woche selbst mit dem Abbau begonnen, zugleich aber auch Rechtsmittel gegen die Anordnungen des Bezirksamts eingelegt.

Was ist das Hamburger „Occupy-Camp“?

Bei dem „Occupy-Camp“ handelt es sich um ein Zelt- und Hüttendorf am Gertrudenkirchhof in der Hamburger Innenstadt – in Nachbarschaft der krisengeschüttelten HSH Nordbank. Es entstand als Teil einer internationalen Bewegung gegen die Macht von Banken und soziale Ungerechtigkeit und war eine Antwort auf die 2008 ausgelöste, weltweite Finanzkrise.

Kaum war damals das Hamburger Camp installiert, erlangten Aktivisten hier weitere Aufmerksamkeit: Ein knappes Dutzend störte im November 2011 eine Rede des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann kurzzeitig mit seinen Parolen. Auf dem Podium drängte sich neben den mächtigsten Finanzboss Deutschlands ein Protestler – getarnt mit der Maske des britischen Verschwörer Guy Fawkes, dem Symbolbild der Bewegung.

Wie lange existiert das Hamburger Camp bereits?

Das Hamburger Lager soll eines der ältesten „Occupy“-Dörfer der Welt sein. Der Bezirk hat die Protestler mehr als zwei Jahre in der Innenstadt toleriert. Sie mussten einmal ihren Standort verlegen.

Warum müssen die Protestler das Camp räumen?

Die Demonstranten hatten im Laufe der Zeit die Zelte teilweise durch Holzbuden mit bis zu zwei Stockwerken ersetzt und darin gewohnt. Damit werde gegen das Baurecht verstoßen; es handele sich um nicht genehmigungsfähige Schwarzbauten, erklärte das Bezirksamt. Die Anlage sei nicht brand- und standsicher und erfülle nicht die erforderlichen hygienischen Anforderungen.

Rund ein Dutzend Bewohner hatte zuletzt in dem Camp gewohnt. Eigentlich sollten die Protestler schon zum Jahresende 2013 weichen, erhielten allerdings noch eine letzte Frist.

Gab es noch andere „Occupy-Camps“ in Deutschland?

Weitere Camps existierten unter anderem in Frankfurt, Düsseldorf, Karlsruhe, Köln oder Saarbrücken, Hannover und Münster. Die Proteste der „Occupy“-Bewegung hatten im Herbst 2011 von New York aus Millionen Demonstranten rund um die Welt mobilisiert - und waren über die Jahre deutlich abgeebbt.

In Schleswig-Holstein gab es Camps in Lübeck und Kiel. In der Landeshauptstadt wurde ein Zeltdorf zwischen Rathaus, Kieler Sparkassenzentrale und Sitz der HSH Nordbank errichtet. Ende Mai 2012 brannte das Camp zu einem großen Teil nieder. Verletzt wurde dabei niemand. Im September 2012 wurde das Camp friedlich geräumt.

Die Räumung hatte laut Angaben der Stadt Kiel mehrere Gründe. Zum einen fehlte es in dem Zeltdorf an Hygiene und Sicherheit. Zum anderen sei das Campen in öffentlichen Grünanlagen generell nicht erlaubt.

 
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erstellt am 06.Jan.2014 | 10:14 Uhr

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