„Germany's Next Topmodel“ von Heidi Klum : Hamburger Mädchen protestieren mit Song gegen GNTM

Sängerin Aliya Ilgin (3.v.r) und Freundinnen stehen während eines Fototermins vor der Kamera des Fotografen. Mit einem selbst komponierten Song protestieren die Hamburger Schülerinnen gegen die Sendung „Germany's Next Topmodel“ von Heidi Klum.
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Sängerin Aliya Ilgin (3.v.r) und Freundinnen stehen während eines Fototermins vor der Kamera des Fotografen. Mit einem selbst komponierten Song protestieren die Hamburger Schülerinnen gegen die Sendung „Germany's Next Topmodel“ von Heidi Klum.

„Not Heidis Girl“ heißt das Lied, das Schüler einer Hamburger Stadtteilschule aufgenommen haben.

shz.de von
13. Februar 2018, 10:09 Uhr

Hamburg | Lynne und ihre Freundinnen haben genug: „Make-Overs, Zickenkriege und Diättip – Eine brandneue Staffel, aber dasselbe Programm – Zero-Size Models und Körperhass (...) Ich bin mehr als mein Aussehen“, singen die Schülerinnen selbstbewusst in dem Video „Not Heidis Girl“. Die jungen Mädchen zwischen 11 und 15 Jahren wollen so gegen die Sendung „Germany's Next Topmodel“ von Heidi Klum protestieren, die seit einer Woche wieder auf ProSieben zu sehen ist.

„Klar, bringt 'Germany's Next Topmodel' Spaß, während ich das sehe. Aber danach fühle ich mich falsch“, sagt Lynne. In den sozialen Netzwerken stößt das Video auf große Resonanz – schon mehr als 170.000 Menschen haben das Video auf YouTube und Facebook gesehen.

„Das freut uns riesig, zumal der Protest hier nicht von oben kommt, sondern von der Zielgruppe der Sendung ausgeht“, sagt Stevie Schmiedel, Geschäftsführerin der Organisation „Pinkstinks“, die schon seit Jahren gegen Geschlechterklischees angeht und das Video gemeinsam mit den Mädchen in einer Hamburger Schule gedreht hat.

Geschrieben wurde das Lied von Pinkstinks-Mitarbeiter Marcel Wicker, Regie führt die Schauspielerin Lara Maria Wichels, die auch einen eigenen YouTube-Kanal „LuLikes“ hat. Die 25-Jährige erinnert sich noch gut daran, 15 Jahre alt und von der Perfektion bei „GNTM“ gestresst gewesen zu sein. „Mir war es wichtig, dass die Kids ihre eigenen Ideen umsetzen“, sagt sie.

Der Song greift den Hashtag #NotHeidisGirl der feministischen Gruppe Vulvarines auf und wendet sich gegen die in der Sendung propagierten Schönheitsideale. „Ich habe Stil, Hirn und mehr – so viel, das man bewundern kann“, singen die Mädchen und fordern Heidi Klum auf: „Hör auf, uns Hass zu vermitteln auf uns selbst und andere! Lasst uns alle glänzen, lasst uns Brüder und Schwestern werden!“

Obwohl die Quoten zurückgehen, glaubt Schmiedel nicht, dass die Sendung abgesetzt wird: „Es gibt keine Sendung auf dem deutschen Markt, die die Produkte für junge Mädchen so gut an die Zielgruppe bringen kann.“ Immerhin sahen noch 2,2 Millionen Zuschauer (7,9 Prozent) die Premiere der 13. Staffel, im vergangenen Jahr waren es noch 2,63 Millionen (8,8 Prozent). Eine Stellungnahme von ProSieben gab es am Dienstag dazu zunächst nicht. „Viele Mädchen haben Angst, sich gegen 'Germany's Next Topmodel' auszusprechen, weil es das Thema auf dem Schulhof ist“, sagt Schmiedel. Daher sei es schon ein „Riesenschritt“, dass das Video überhaupt gedreht wurde.

Trotzdem musste ihr Team die Kommentarleiste auf YouTube bereits nach kurzer Zeit abschalten. „Wir können die Mädchen nicht mit den Hass-Kommentaren alleine lassen“, sagt die Aktivistin. Auch auf Facebook gab es Kritik. Vor allem ältere Frauen monierten, dass die Mädchen in dem Video viel zu schön aussehen. „Die Mädchen hatten sich ein Styling gewünscht“, erklärt Schmiedel. „Sie wollten ein cooles Video, was ihren Sehgewohnheiten entspricht und sie trotzdem stärkt“.

Schon jetzt hätten sie tausende Anfragen nach dem Video und den dazugehörenden Stickern: „Es wäre toll, wenn daraus eine Welle entstehen könnte. Wenn Heidi Klum wenigstens ein schlechtes Gewissen bekommen würde, das wäre schon mal was.“

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