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„Nolde in Hamburg“ : Hamburger Kunsthalle zeigt 200 Werke von Emil Nolde

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Farbstarke Gemälde und Aquarelle, dynamische Tuschezeichnungen und atmosphärische Radierungen - und sie alle haben einen Bezug zu Hamburg. Die Hamburger Kunsthalle zeigt Werke des norddeutschen Künstlers.

Hamburg | Der norddeutsche Maler Emil Nolde und seine Beziehung zu Hamburg sind von Freitag an Thema einer Ausstellung in der Kunsthalle der Hansestadt. Das Haus präsentiert damit Werke des Expressionisten an dem Ort, den dieser als „ersten Schritt in die Welt von hier oben“ bezeichnet haben soll, wie Kuratorin Karin Schick am Donnerstag vor der Eröffnung sagte. Rund 200 Werke des Künstlers aus dem deutsch-dänischen Grenzgebiet zeigt die Kunsthalle unter dem Titel „Nolde in Hamburg“ bis zum 10. Februar.

Emil Nolde, eigentlich Hans Emil Hansen aus Nolde, war einer der führenden Maler des Expressionismus und ist bekannt für seine ausdrucksstrake Farbwahl. 1956 starb er in Seebüll in Nordfriesland. 1902 nannte er sich nach seinem nordschleswigschen Heimatdorf.

Ob dampfbetriebene Schlepper in sattem Gelb, düstere Frachter im Dock oder getuschte Zeichnungen von Brücken: So wie Emil Nolde (1867-1956) als Wegbereiter der Moderne gilt, können Hamburg und der Hamburger Hafen als Wegbereiter des bildenden Künstlers verstanden werden. Und tatsächlich haben alle der ausgestellten Werke, darunter Gemälde, Aquarelle, Holzschnitte und Radierungen, einen Bezug zur Hansestadt - und zeigen laut Schick oft das „Dynamische der künstlerischen Moderne“.

Zu sehen gibt es - natürlich - zahlreiche tosende Hafenmotive, von denen der Künstler viele im Februar und März 1910 fertigte, als er mehrere Wochen in einem kleinen, einfachen Hotel am Hamburger Hafen verbrachte. Die Stadt inspirierte ihn laut Schick zu zahlreichen Werken - und hier begann auch der kommerzielle Erfolg des Malers.

Auch deshalb hat die Kunsthalle mit der schleswig-holsteinischen Nolde-Stiftung Seebüll, die mehr als 100 der gezeigten Werke stellt, erstmals Einblicke in den damaligen Hamburger Kunstmarkt und Korrespondenz mit Noldes Förderern wie Gustav Schiefler zusammengetragen. Gezeigt werden auch alte Rechnungen der Hamburger Galerie Commeter oder Nolde-Werke des Sammlers Paul Rauert. Sie alle erkannten Noldes Potenzial früh und trugen maßgeblich zum Aufstieg des Künstlers bei, der auch der expressionistischen „Künstlergruppe Brücke“ angehörte, in der außer ihm auch Karl Schmidt-Rottluff oder Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein wirkten. Erste Nolde-Ausstellungen gab es in Hamburg bereits 1907.

Nur die Hamburger Kunsthalle selbst, bis 1914 mit Alfred Lichtwark als Direktor, habe Nolde lange Zeit verkannt, berichtet Kuratorin Schick. „Nur zögerlich kaufte er drei zahme Werke.“ Anfangs habe er Noldes Radierungen nicht mal geschenkt haben wollen. Unter den späteren Direktoren entwickelte sich das langsam anders, auch farbenfrohe Aquarelle und Malereien wurden beschafft. Und heute sind auch die düsteren Radierungen wieder gefragt: 2005 etwa fiel für eines der mehr als 30 Exemplare „Binnenhafen“ für knapp 12.000 Euro der Hammer - 1914 kostete sie laut der in der Ausstellung gezeigten Rechnung 55 Mark bei Commeter.

In der unter Schirmherrschaft von Helmut Schmidt stehenden Ausstellung „Nolde in Hamburg“ wird auch die NS-Zeit thematisiert. Noldes genaue Rolle ist bis heute nicht aufgearbeitet. Einerseits galten seine Werke als verfemt, andererseits war Nolde Anhänger der Ideen der Nazis und kritisierte etwa den jüdischstämmigen Künstler Max Liebermann. Zwei Wissenschaftler sollen diese Rolle bis zu Noldes 150. Geburtstag 2017 klären, wie Christian Ring von der Nolde-Stiftung Seebüll sagte.

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erstellt am 17.Sep.2015 | 16:29 Uhr

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