Zu viele Fährgäste : Hamburger Hauptbahnhof soll langfristig ausgebaut werden

Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg, und Ronald Pofalla (links), Vorstand Infrastruktur der Deutsche Bahn AG, erläuterten die Möglichkeiten einer Entlastung des Hamburger Hauptbahnhofs. Mit einer halben Million Nutzern täglich gilt der Verkehrsknotenpunkt als der meistfrequentierte Bahnhof Deutschlands und nach dem Gare du Nord in Paris als der zweitmeistgenutzte in Europa.

Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg, und Ronald Pofalla (links), Vorstand Infrastruktur der Deutsche Bahn AG, erläuterten die Möglichkeiten einer Entlastung des Hamburger Hauptbahnhofs. Mit einer halben Million Nutzern täglich gilt der Verkehrsknotenpunkt als der meistfrequentierte Bahnhof Deutschlands und nach dem Gare du Nord in Paris als der zweitmeistgenutzte in Europa.

Auf der Ostseite zur Kirchenallee hin ist ein Erweiterungsbau mit überdachter Passage angedacht.

shz.de von
18. Oktober 2018, 14:08 Uhr

Hamburg | Hamburgs Hauptbahnhof platzt aus allen Nähten, ist das Nadelöhr im „Tor zu Welt“. Nach langer Diskussion ist jetzt zumindest Abhilfe gegen Drängelei und Chaos an den Gleisen in Sicht: Stadt und Deutsche Bahn (DB) haben am Donnerstag eine großzügige Erweiterung des 1906 eröffneten Verkehrsknotens angekündigt. Zusätzliche Zugänge zu den Bahnsteigen, ein großer Anbau am Südende sowie eine Passage zum Hachmannplatz hin sollen für Entspannung sorgen. „Wir machen den Hauptbahnhof fit für die nächsten 100 Jahre“, versprach Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach einem Vor-Ort-Rundgang mit DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

Geplante Erweiterungsmaßnahmen am Hauptbahnhof im Überblick. Der obere Teil der Grafik zeigt nach Westen in Richtung City/Spitalerstraße. Links ist die Südseite zur Elbe hin zu sehen, an der die gravierendsten Änderungen vorgesehen sind.
Deutsche Bahn AG

Geplante Erweiterungsmaßnahmen am Hauptbahnhof im Überblick. Der obere Teil der Grafik zeigt nach Westen in Richtung City/Spitalerstraße. Links ist die Südseite zur Elbe hin zu sehen, an der die gravierendsten Änderungen vorgesehen sind.

 

Mit durchschnittlich mehr einer halben Million Besuchern am Tag ist der Hauptbahnhof der meistgenutzte hierzulande und die Nummer zwei in Europa. Schon lange wirkt das 112 Jahre alte Gebäude wie ein Korsett. Gleise, Bahnsteige und Wege halten mit dem Ansturm nicht Schritt. Am Südsteg brachte die Bahn Richtungspfeile für Fußgänger auf, um die Passantenströme zu kanalisieren. Im Sommer herrschten über Wochen blankes Chaos und gefährliche Enge auf hoffnungslos überfüllten Bahnsteigen. Pofalla und Tschentscher waren sich einig: So geht‘s nicht weiter. Es sei „dringend erforderlich, den Bahnhof dauerhaft zu entlasten“.

Südfassade soll durchbrochen werden

Geschehen soll das in erster Linie durch deutlich mehr Zu- und Ausgänge sowie eine Verlängerung der Bahnhofshalle nach Süden. Kurzfristig, so Pofalla, werden im kommenden Jahr zunächst Kioske, das Aufseherhäuschen und die Automaten vom Bahnsteig der Fernbahngleise 13/14 verschwinden, um Platz zu schaffen. In drei Jahren solle es dann als weiteren Zwischenschritt provisorische direkte Zugänge von den Bahnsteigen zur Steintorbrücke geben. Dazu soll die Südfassade durchbrochen werden.

Die größeren Erweiterungsmaßnahmen lassen länger auf sich warten. So wollen Hamburg und die Bahn die Bahnhofshalle nach Süden über die Steintorbrücke hinweg verlängern. Die Straße soll zur „Kommunaltrasse“ ausschließlich für Fußgänger, Radler, Taxis und Busse werden. Am Ende dieses Überbaus ist ein großer Erweiterungsbau geplant, der Geschäfte und Büros sowie direkte Abgänge zu den Gleisen beherbergen soll.

Pavillons werden abgerissen

Am östlichen Langbau – zur Kirchenallee hin – ist überdies eine überdachte Passage als Umgehung der Bahnhofshalle vorgesehen. Die dortigen Pavillons – unter anderem der Bundespolizei – werden abgerissen. Das gilt möglicherweise auch für den Verwaltungsbau der Bahn („Keksdose“) an der Ecke Steintorbrücke/Kirchenallee. Auch prüfen die Verantwortlichen eine Überbauung der Gleise am Nordausgang des Bahnhofs, auf der neue Gebäude entstehen könnten, etwa für die Bahnhofsmission.

All diese Ideen müssen erst noch konkretisiert werden, wozu es 2019 einen internationalen Planungswettbewerb geben soll. Tschentscher erwartet, dass die Gesamterweiterung etwa 2030 abgeschlossen ist. Was all das kostet, und wer welchen Anteil bezahlt, blieb offen.

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