Ausländische Investoren : Hamburger Haften tritt auf der Stelle: Gesamtumschlag sinkt weiter

In den ersten sechs Monaten ist der Gesamtumschlag erneut um rund zwei Prozent gesunken.

In den ersten sechs Monaten ist der Gesamtumschlag erneut um rund zwei Prozent gesunken.

Der Unternehmensverband Hafen sieht die fehlende Elbvertiefung und die vielen Baustellen als Ursachen für den Rückgang.

shz.de von
08. August 2018, 21:14 Uhr

Hamburg | Hamburgs Hafen kommt nicht aus der Talsohle. In den ersten sechs Monaten 2018 ist der Gesamtumschlag erneut um rund zwei Prozent gesunken. Das hat der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen (UVHH), Gunther Bonz, dem „Hamburger Abendblatt“ gesagt. Die zuständige Hafen Hamburg Marketing dementiert die Zahl nicht, will die Halbjahresbilanz aber erst noch vorlegen.

Deutschlands größter Seehafen tritt damit wie seit Jahren auf der Stelle. Der Aufwärtstrend der maritimen Weltwirtschaft ist an der Elbe nicht angekommen, anders als bei den europäischen Konkurrenten, die immer weiter enteilen. So legte der Primus Rotterdam im ersten Halbjahr um sechs Prozent zu, Antwerpen um acht Prozent. „Der Hamburger Hafen ist im europäischen Wettbewerb derzeit in keiner besonders guten Position“, warnt Bonz, die Situation sei „ausgesprochen herausfordernd“. Es soll ein Weckruf in Richtung rot-grüner Senat sein.

Als Hauptgründe für den Rückgang nennt der UVHH-Chef außer der fehlenden Elbvertiefung und Nachteilen bei der Einfuhrumsatzsteuer auch hausgemachte Probleme. So gebe es auf den Straßen der Stadt zu viele unkoordinierte Baustellen, weshalb etliche Spediteure eine Bogen um Hamburg machten.

Der neuerliche Rückschlag dürfte die aufkommende Diskussion um eine grundsätzliche Neuausrichtung der Hafenpolitik weiter befeuern. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte die französische Reederei CMA CGM kürzlich geradezu eingeladen, sich an einem der großen Terminals  zu beteiligen. Auch für ein mögliches Engagement chinesischer Konzerne an einem noch zu bauenden Terminal im Mittleren Freihafen zeigt sich der Senat offen. Es wäre das erste Mal, dass die Hansestadt ausländischen Investoren einen solchen Einstieg erlauben würde. Diese sollen außer frischem Geld für die teure Infrastruktur auch feste Ladungsmengen mitbringen. 

Noch sei über derlei Beteiligungen nicht entschieden, betont Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) nicht von ungefähr. Schon laufen die Arbeitnehmervertreter des städtischen Terminalbetreibers HHLA Sturm gegen einen Einstieg der Chinesen. 

Die Opposition hat die Hafenkrise längst als Schwachstelle des rot-grünen Senats ausgemacht. „Das Flaggschiff der Hamburger Wirtschaft ist Leck geschlagen, und der Senat schaut tatenlos zu“, kommentierte der hafenpo­litische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Ralf Niedmers, die aktuellen Zahlen. Und FDP-Fraktionschef Michael Kruse sagte: „Derzeit entsteht der fatale Eindruck, dass die Grünen ihren großen Koalitionspartner in der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik vor sich hertreiben – und das in die falsche Richtung.“ 

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