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Rückläufiger Güterumschlag und viel Optimismus : Hamburger Hafen: „Wir haben die Talsohle durchschritten“

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Die nackten Zahlen weisen für den Hamburger Hafen zum Jahresbeginn einen weiteren Rückgang beim Güterumschlag aus. Dennoch wächst die Zuversicht, dass es nach dem schlechten Vorjahr nicht weiter abwärts geht.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2016 | 14:28 Uhr

Hamburg | Der Hamburger Hafen kommt nicht aus der Krise. Im ersten Quartal 2016 lag die Gesamtmenge des Seegüterumschlags bei 34,8 Millionen Tonnen erneut um 2,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das hat die Hamburg Marketinggesellschaft (HHM) gestern mitgeteilt. Der wichtige Containerumschlag sackte sogar um 3,4 Prozent auf 2,23 Millionen TEU ab. Damit verlor die Elbmetropole in den ersten drei Monaten gegenüber den westeuropäischen Konkurrenten Antwerpen und Bremerhaven weiter an Boden.

Die Faktoren, die den Hafen ausbremsen, sind noch die gleichen wie im Vorjahr: Rückschläge im Handel mit China und Russland sowie harte Konkurrenz unter den großen Häfen in Nordwesteuropa, vor allem um die Zubringerverkehre in die Ostsee.

Hauptursache des Abwärtstrends war laut HHM-Vorstand Axel Mattern die weiterhin schwache Konjunktur in den für Hamburg bedeutendsten Märkten in Asien und Russland. So ging der Containerverkehr mit China - dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner des Hafens - um 8,0 Prozent zurück, der Warenaustausch mit Singapur verlor 7,6 Prozent, der mit Russland fast fünf Prozent. 

Das enttäuschende Startquartal folgt auf das Krisenjahr 2015, in dem an Hamburger Kais fast zehn Prozent weniger Stahlboxen bewegt worden waren. Es gebe inzwischen allerdings Anzeichen für ein Ende des Abschwungs im Reich der Mitte, konstatierte Mattern, der dies als Trendwende deutete: „Wir haben die Talsohle durchschritten.“

Optimistisch stimmen die Hafenmanager positive Entwicklungen in den Geschäften mit anderen Fahrtgebieten. So legten die Verkehre von und nach England, Malaysia, Indien, Finnland und die USA teils deutlich zu. Hoffnungen setzen die Verantwortlichen zudem auf das Ende der Iran-Sanktionen. Inzwischen verbindet ein neuer Containerdienst alle 14 Tage Hamburg mit den Häfen Genua, Istanbul, Port Said und eben Bandar Abbas im Iran. Wegen des großen Nachholbedarfs der Islamischen Republik erwartet Mattern den Wiederaufstieg Hamburgs zum nordeuropäischen Umschlagplatz für Iran-Ladung.

Die FDP in der Bürgerschaft teilt den Optimismus nicht. Die Umschlagzahlen seien enttäuschend, sagte deren wirtschaftspolitischer Sprecher Michael Kruse. Der rot-grüne Senat müsse dringend gegensteuern. Kruse: „Es ist bitter, dass Bürgermeister Scholz und Wirtschaftssenator Horch beim Verfall des Hafens tatenlos zusehen. Der Hamburger Hafen braucht ein Gesamtkonzept für Hafenumschlag und Hafenverkehr, das die Sicherung von Ladung an den Standort, den Ausbau der Seehafenhinterlandanbindung und den Ausbau der Hafeninfrastruktur in den Mittelpunkt rückt.“ Sollten Scholz und Horch nicht bald liefern, drohe der „Abstieg vom Welthafen zum Regionalhafen mit gelegentlichem Schiffsverkehr.“

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