Jahresbilanz 2017 : Hamburger Hafen verliert weiter Marktanteile

Der Hamburger Hafen legt seine Zahlen zum Umschlag im vergangenen Jahr vor. /Archiv
Die größten Wettbewerber Rotterdam und Antwerpen legten beim Containerumschlag zu, Rotterdam sogar zweistellig.

Der Containerumschlag sinkt unter das Niveau des Jahres 2011. Die Hamburger Hafenwirtschaft hofft auf die Elbvertiefung.

shz.de von
14. Februar 2018, 17:24 Uhr

Hamburg | Eine wichtige Messlatte für den wirtschaftlichen Erfolg eines Hafens ist immer der Containerumschlag. Nicht mehr für Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Er warnte am Mittwoch bei der Präsentation der Jahresbilanz 2017 davor, den Erfolg des Hamburger Hafens „allein an der Zahl der umgeschlagenen Container zu messen“. Wohl auch, weil der Containerumschlag schon seit Jahren in Hamburg stagniert und derzeit mit 8,8 Millionen Standardcontainern (TEU) noch unter den Mengen des Jahres 2011 liegt. Der gesamte Güterumschlag des größten deutschen Hafens ging gegenüber dem Vorjahr 2016 um ein Prozent auf 136,5 Millionen Tonnen zurück. Noch vor zehn Jahren erreichte der Hafen dagegen regelmäßig zweistellige Wachstumsraten. Die größten Wettbewerber Rotterdam und Antwerpen legten beim Containerumschlag zu, Rotterdam sogar zweistellig.

Der Wirtschafssenator und der Chef der Hafenbehörde HPA, Jens Meier, machen vor allem die fehlende Fahrrinnenanpassung für die Stagnation verantwortlich. Um so größer ist ihre Hoffnung, dass nun die Talsohle durchschritten sein könnte. Der Wirtschaftssenator ist „optimistisch“, dass nach einer erneuten Auslegung der Ergänzungspläne und vierwöchiger Frist für einzureichende Klagen das Baurecht für die Elbvertiefung noch in diesem Jahr erteilt wird. Mit dem Beginn der Elbvertiefung werde das Wachstum im Hafen wieder anziehen.

„Wir müssen den Hafen so entwickeln, dass er an der Spitze der Bewegung steht. Der Hamburger Hafen muss ein Hafen 4.0 werden“, sagte der Wirtschaftssenator mit Blick in die Zukunft des Hafens. „Wir müssen uns mit Industrie 4.0, mit Digitalisierung beschäftigen und wie das die Lieferketten verändert.“ Das sei nicht nur Aufgabe der Politik, sondern aller Akteure im Hafen. Mit der Erprobung des neuen Mobilfunk-Standards 5G im Hamburger Hafen, die Anfang Februar begonnen hat, sei ein wichtiger Schritt zur Digitalsierung des Hafens getan. Darüber hinaus werde der Hafen noch in diesem Jahr weiter mit umweltfreundlichen Landstromanlagen für Containerschiffe umgerüstet. Außerdem arbeite die Hafenbehörde HPA daran, die zunehmende Verschlickung des Hamburger Hafens in den Griff zu bekommen. Hamburg möchte seinen Hafenschlick künftig nicht nur vor Helgoland, sondern vor allem auf hoher See außerhalb der 15-Seemeilen-Zone entsorgen. Der Antrag soll noch in diesem Jahr eingereicht werden.

Die Elbvertiefung ist kein Wundermittel

Ein Kommentar von Barbara Glosemeyer

Die bittere Wahrheit ist: Während die wichtigsten Konkurrenzhäfen Rotterdam und Antwerpen weiter zulegen, hinkt Hamburg hinterher. Der Hamburger Hafen kann die Wettbewerbsnachteile durch die fehlende Fahrrinnenanpassung kaum noch kompensieren. Dennoch ist der Verweis der Hafenmanager darauf, wie wichtig die Elbvertiefung für den Hafen ist, auf Dauer zu einfach. Wer in einem international boomenden Seetransportgeschäft nicht mitwächst, hat mit strukturellen Mängeln und hausgemachten Fehlern zu kämpfen.

So ist der Hafen nach Meinung vieler Hafenunternehmen nicht fit genug für die digitale Schifffahrtszukunft. Industrie 4.0, die Formel für digitale Hafentechnik und -logistik, ist zurzeit nur eingeschränkt wettbewerbsfähig. Zwar hat der Hamburger Hafen die Weichen dafür gestellt, indem er jetzt für zwei Jahre den neuen superschnellen Datennetz-standard G5 testet. Aber bis das Turbonetz in der Hafenwirtschaft breit genutzt werden kann, vergeht noch viel kostbare Zeit.

Und einen Nachteil kann der Nordsee-Hafen Hamburg an der Elbe nie ausgleichen: Er bleibt ein Tidehafen, abhängig von Ebbe und Flut, mit ewiger Fahrrinnenanpassung und viel Schlick im Hafenbecken, der ausgebaggert werden muss. Um so mehr entscheiden nicht nur wettbewerbsfähige Transportwege über die Zukunft des Hamburger Hafens, sondern auch kreative Ideen, alternative Geschäftsmodelle und neue Wachstumsbereiche im Hafen.

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