Container-Giganten : Hamburger Hafen gehen die Schiffe aus

<p>Containerschiff MSC Shuba B an den Lade- und Entladestationen im Containerterminal Burchardkai. /Symbolfoto</p>

Containerschiff MSC Shuba B an den Lade- und Entladestationen im Containerterminal Burchardkai. /Symbolfoto

Hafenschlepper klagen über Mangel an Aufträgen. Trotz Globalisierung geht die Zahl der Schiffe steil nach unten.

shz.de von
10. Oktober 2018, 16:31 Uhr

Hamburg | Hamburgs Hafen, das Tor zur Welt. Die riesigen Containerschiffe, die gemächlich elbaufwärts einlaufen, sind Sensation für Touristen aus dem Binnenland. Doch um den Schiffsverkehr ist es nicht zum Besten bestellt. Trotz Globalisierung und deutscher Exportmeisterschaft, wer hätte das gedacht? Die Schiffe im Hafen schwinden. Der Blick auf die Elbe verliert zunehmend seinen Reiz.

Bereits seit 1970 zeigt der Trend steil nach unten. Die Zahl der ankommenden Schiffe ist seither um rund 57 Prozent geschrumpft: von 18.878 auf nur noch 8.088 im vergangenen Jahr. Das Statistische Amt hat in einer aktuellen Studie über „Schifffahrt und Außenhandel Hamburgs 1970 bis 2017“ eine überraschende Bilanz gezogen. Angesichts der Liberalisierung des globalen Handels seit den 1990er-Jahren wäre ein anderes Ergebnis zu erwarten gewesen.

Doch wo früher zwei Schiffe am Hafenkai lagen, passe heute gerade noch eins hin. So erläutert es Hafensprecher Kai Gerullis. Die Pötte würden immer länger und größer. Laut Statistik lag  die durchschnittliche Bruttoraumzahl aller ankommenden Schiffe 1970 erst bei knapp 4.000 BRZ. Bis 2017 konnte sich das Fassungsvermögen pro Schiff auf über 31.000 BRZ fast verachtfachen. Grund dafür ist der Siegeszug der Container. Dank ihnen konnte mit immer weniger Einzelfahrten der gesamte Güterverkehr über See nach Hamburg seit 1970 etwa um das Achtfache zulegen. Die Zahl der pro Jahr verladenen Container hat sich seitdem etwa um das Achtzigfache erhöht, auf rund 5,4 Millionen in 2017.

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Mehr Kapazitäten

Inzwischen legen am Hafen bereits Megafrachter an, die 22.000 Standardcontainer (TEU) verstauen können. Vor 50 Jahren wären für solch eine Menge fast 20 Schiffe erforderlich gewesen. Das rasante Größenwachstum schafft viel Platz auf der Elbe, doch für die Betreiber der Schlepperboote wird der Markt immer enger. Weniger Aufträge und fallende Preise beklagt Walter Collet, Geschäftsführer der Reederei Fairplay Towage. Zurzeit würden nur noch drei Anbieter um die Schleppdienste im Hamburger Hafen konkurrieren, berichtet er. Doch auch die vielen Übernahmen und Fusionen auf dem Markt der Überseereedereien hätten dazu geführt, dass die Schiffe besser ausgelastet würden und damit weniger Fahrten entstünden. Weniger Schiffsabgase, aber auch weniger Arbeit für die Schlepper, die die großen Pötte an der Leine ziehen.

Doch damit nicht genug. Die neue Schifffahrtsstatistik bietet noch eine Überraschung. Die Konkurrenzfähigkeit des Hamburger Hafens ist doch besser als ihr Ruf. Der in jüngster Zeit oft beklagte Abstieg lässt sich mit den Zahlen kaum bestätigen. Vom gesamten Gütervolumen, das in Bremen, Hamburg, Rotterdam und Antwerpen umgeschlagen wird, nahm Hamburg im vergangenen Jahr einen Anteil von 15,2 Prozent ein. 1970 waren dies erst 12,5 Prozent. In 2016 hatte Hamburg schon mal 18 Prozent erreicht. Bereits seit 2010 stagniert der aktuelle Marktanteil mit leichten Schwankungen, aber zum Trost: Auch der Welthandel kommt seitdem kaum noch von der Stelle.   

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