Kaum noch Beisetzungen : Hamburger Hafen: Friedhof Altenwerder wird geschlossen

Derselbe Typ: In   Hamburg-Altenwerder stehen neben der A7 die gleichen  Windräder  wie das in der Pfalz havarierte.
In Hamburg-Altenwerder stehen neben der A7 Container und Windräder – aber auch die Kirche St. Gertrud (unten links).

Die Kirche erinnert an das ehemalige Fischerdorf Altenwerder, das in den 1970ern dem Hafenausbau weichen musste.

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28. Mai 2018, 06:41 Uhr

Hamburg | Viele Autofahrer, die über die Autobahn 7 durch den Hamburger Hafen fahren, kennen das Bild: Plötzlich taucht zwischen Hafenkränen und Containern eine Kirchturmspitze auf. Sie gehört zur St. Gertrudkirche und ist eines der letzten sichtbaren Überbleibsel des ehemaligen Fischerdorfes Altenwerder. Die 2500 Einwohner mussten in den 1970er Jahren ihr Dorf für die Hafenerweiterung verlassen. Übrig blieb nur die Kirche, die unter Denkmalschutz steht.

Ende des letzten Jahres haben die Hamburger Hafenbehörde HPA und die zuständige Gemeinde einen neuen Mietvertrag geschlossen. „Die Kirche ist wie ein Fels in der Brandung. Ein Symbol der Ruhe mitten im geschäftigen Leben“, sagte Pastor Dirk Outzen, der die Kirche, die zur Thomasgemeinde Hausbruch-Neuwiedenthal-Altenwerder gehört, betreut. Regelmäßig gibt es hier zwei Mal im Monat sonntags Gottesdienste, und auch immer mal wieder Hochzeiten und Taufen. Nur Beerdigungen wird es demnächst nicht mehr geben, da der Friedhof laut Senatsbeschluss im Herbst für Beisetzungen geschlossen werden soll.

Zur Begründung wird angeführt, dass „die Nachfrage praktisch entfallen“ sei. Die letzte Erdbeisetzung habe es 2005, die letzte Urnenbeisetzung 2018 gegeben.„Damit haben wir gerechnet“, sagt Outzen. Trotzdem sei es aus Sicht einiger Gemeindemitglieder bedauerlich. „Für viele ist Altenwerder immer noch ein Stück Heimat“, meint der Pastor. Regelmäßig treffen sich die ehemaligen Bewohner beim „Klönschnack“ oder zu besonderen Feierlichkeiten, so zuletzt an Pfingsten. Aber auch viele Touristen und Sonntagsausflügler kommen vorbei, um das Gotteshaus mit seinem klassizistischen Emporensaal und den hohen Rundbogenfenstern zu besichtigen und sich in einer Ausstellung über die Geschichte des ehemaligen Dorfes zu informieren.

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