zur Navigation springen

Untersuchung abgeblasen : Hamburger Forscher distanziert sich von Berliner Cannabis-Studie

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Forschungsinitiative suchte 25.000 kiffende Probanden. Doch der Hamburger Studienleiter hatte Bedenken.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2017 | 07:17 Uhr

Berlin | Aus einer in Berlin geplanten Studie über Cannabis-Konsum mit 25.000 Probanden wird vorerst nichts. Der Hamburger Studienleiter, der Professor für Klinische Psychologie Thomas Schnell, distanziert sich von dem Vorhaben und der dahinterstehenden „Forschungsinitiative Cannabiskonsum“. Das erklärt der Forscher in einer Mitteilung seines Arbeitgebers, der Medical School Hamburg (MSH). Auch die MSH distanziert sich ausdrücklich von der Studie, in deren „ersten Schritt“ Schnell involviert gewesen sei.

Ärzte können in Deutschland Cannabis-Präparate verschreiben, aber nur, wenn alle anderen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind. Noch fehlt es an Studien über die Folgen und Langzeitwirkungen von Cannabis-Konsum.

Die „Forschungsinitiative Cannabiskonsum“ stellte kürzlich zum zweiten Mal beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Antrag, um eine Langzeitstudie zu Cannabiskonsum durchführen zu können. Der erste Antrag war abgelehnt worden. Ziel der breit angelegten Studie sei es, die Folgen des Kiffens bei psychisch gesunden Erwachsenen zu erproben. Die Teilnehmer hätten für Cannabisblüten aus Apotheken selbst bezahlen müssen. Am BfArM war auch der Bezirk Kreuzberg mit seinem Vorhaben einer Cannabis-Abgabe in Coffeeshops gescheitert.

Bewerber für eine Teilnahme als Proband suchte die Initiative bereits von Februar an und ohne Genehmigung für die Studie. Laut Berichten meldeten sich mehr als 2000 Menschen. Die Initiative selbst machte nur sehr wenige Angaben auf ihrer Webseite, Angaben zur Finanzierung eines solch umfassenden Projekts fehlten. Als Beteiligte wurde neben Schnell noch ein Geschäftsführender Gesellschafter genannt, Rechtsanwalt Marko Dörre.

Thomas Schnell erklärte nun, er sei inzwischen zur Einsicht gelangt, „dass Wirkungsforschung und Legalisierungstendenzen nicht hinreichend klar voneinander getrennt werden können“. Grundidee sei es gewesen, mehr über die langfristige Wirkung der bislang von der Forschung vernachlässigten Rauschdroge zu erfahren. Weiter teilte er mit, dass die „im Forschungsdesign enthaltenen Risiken“ den möglichen wissenschaftlichen Nutzen überwögen. „Ich distanziere mich deshalb von der geplanten Studie und der dahinterstehenden Forschungsinitiative Cannabiskonsum.“

Nach dem Start eines Gesetzes, das Cannabis in Deutschland zumindest für schwer kranke Patienten in der Apotheke per Rezept verfügbar machen soll, wittern Geschäftsleute auch hierzulande den Durchbruch.

Seit dem 10. März 2017 können Ärzte Cannabis-Präparate verschreiben - wenn alle übrigen Behandlungswege ausgeschöpft sind. Bislang brauchte man dafür eine Sondergenehmigung, die das BfArM nur etwa 1000 Mal vergab.

Wie ist steht es in den anderen Ländern um die Gesetzmäßigkeiten? Ein Blick auf die interaktive Weltkarte des Kiffens verrät es Ihnen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen