Sinkende Quote bei Eintreffzeiten : Hamburger Feuerwehr rückte 2016 zu 286.000 Einsätzen aus

Wegen Feuer gab es 2016 genau 11.702 Mal Alarm. Mehr als die Hälfte war allerdings Fehlalarm.
Wegen Feuer gab es 2016 genau 11.702 Mal Alarm. Mehr als die Hälfte war allerdings Fehlalarm.

Brände, Unfälle, Sturmschäden - die Hamburger Feuerwehr hatte im vergangenen Jahr viel zu tun. Nicht immer konnte sie so schnell am Brandort sein wie eigentlich vorgesehen. Ist Überlastung schuld?

shz.de von
30. März 2017, 14:58 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Feuerwehr hat im vergangenen Jahr so viele Einsätze wie noch nie bewältigt. Genau 286.464 Mal wurden die Retter alarmiert, wie der Leiter der Berufsfeuerwehr, Oberbranddirektor Klaus Maurer, am Donnerstag sagte. Das sind knapp 6000 oder gut zwei Prozent mehr als 2015, als ebenfalls ein Rekord verbucht wurde. Im Schnitt rückte die Feuerwehr jeden Tag zu 784 Einsätzen aus.

In den meisten Fällen ging es um Rettungsdiensteinsätze (254.308), wegen Feuer gab es 11.702 Mal Alarm. Allerdings handelte es sich in mehr als der Hälfte aller Fälle um Fehlalarme (5954). Maurer zeigte sich jedoch erleichtert, dass die Fehlalarmierungen durch Heimrauchmelder von 1405 auf 1380 zurückgingen. Bei den Bränden wurden zehn Menschen getötet (2015: 15) und 345 (2015: 399) verletzt. 16 Feuerwehrleute kamen bei Löscheinsätzen zu Schaden, 86 verletzten sich bei allen Einsätzen zusammengenommen.

Die Feuerwehr konnte ihr erklärtes Schutzziel, mit zehn Mann innerhalb von acht Minuten und weiteren sechs Kräften innerhalb von 13 Minuten am Brandort zu sein, nur in 69,5 Prozent der Fälle erfüllen. Planungsziel ist 85 Prozent für ganz Hamburg. 2014 war das in 75 Prozent der Alarmierungen gelungen. Maurer erklärte den Rückgang mit krankheitsbedingten Ausfällen im zweiten Halbjahr. Der statistische Einbruch bedeute aber nicht, dass die Feuerwehr sehr viel später komme. Sie sei nur nicht mit zehn Mann nach acht Minuten vor Ort, sondern mit neun Kräften nach acht Minuten. Oder etwa wegen Verkehrshindernissen seien die zehn Mann erst nach achteinhalb Minuten am Brandort. „Es geht hier wirklich um Feintuning“, betonte Maurer.

21 Großbrände hatte die Feuerwehr im Jahr 2016 zu bewältigen, sechs weniger als im Vorjahr. Zu den größten Einsätzen zählte Maurer einen Lagerhallenbrand auf der Peute kurz nach dem Ende des Hafengeburtstages im Mai und die Kollision einer Barkasse mit einem Hafenschlepper am 7. Juni. Damals hatten 15 Mitglieder einer Reisegruppe aus Flensburg ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Am Abend desselben Tages zog ein Tornado über die Stadtteile Bramfeld und Farmsen. Wegen der angerichteten Schäden wurde die Feuerwehr zu 250 Einsätzen gerufen. Anfang September brannte der Containerfrachter „Arauco“ 83 Stunden lang.

Nicht immer waren die Feuerwehrleute willkommen. In 60 Fällen wurden die Retter angefeindet, bedroht oder angegriffen. Die tatsächliche Zahl der Übergriffe ist vermutlich höher. Es gebe dazu eine aktuelle deutschlandweite Studie, sagte Maurer. Die Hamburger Feuerwehr führt jetzt in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) eine Mitarbeiterbefragung durch.

Als erfreulich bezeichnete Innensenator Andy Grote (SPD) den Personalzuwachs um 110 Mitarbeiter - ein Plus von fast vier Prozent. Knapp 3000 Mitarbeiter zählt die Hamburger Feuerwehr nun. Weitere 2600 Kameraden sind bei den 86 Freiwilligen Feuerwehren im Dienst.

Mit 323 Auszubildenden gehört die Feuerwehr zu den größten Ausbildungsbetrieben der Stadt. Sie ist allerdings weiterhin ein ganz überwiegend männliches Unternehmen. Im Einsatzdienst sind nur 91 der 2606 Mitarbeiter Frauen. Von den 228 Auszubildenden im Einsatzdienst ist niemand weiblich. Unter den 70 angehenden Notfallsanitätern sind elf Frauen.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion forderte Innensenator Grote auf, die Feuerwehr bei den Rettungsdiensteinsätzen zu entlasten. Zu Spitzenzeiten sollte mehr auf die Hilfsorganisationen wie Malteser, Johanniter und den ASB zurückgegriffen werden, meinte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Dennis Gladiator. Sein FDP-Kollege Carl Jarchow kritisierte die Eintreffzeiten von Feuerwehr und Rettungsdienst, die hinter dem selbst gesteckten Schutzziel zurückblieben: „Die für die Rettung von Menschenleben so wichtige Erfüllungsquote dieser Zeiten ist weiterhin dramatisch niedrig.“ Schuld sei die verfehlte Verkehrspolitik des Senats. Feuerwehr und Rettungsdienste würden immer öfter durch Staus behindert.

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