Bürgerschaftswahl 2020 : Hamburger CDU will mit Aygül Özkan Imagewandel schaffen

Die CDU-Landtagsabgeordnete Aygül Özkan ist zu sehen. /Archiv
Aygül Özkan.

Die CDU tut sich schwer in Hamburg. Aygül Özkan soll es richten. Doch ihre Gesundheit stellt das Image-Projekt infrage.

shz.de von
21. August 2018, 17:00 Uhr

Hamburg | Sie war die erste Muslima mit Migrationshintergrund in einer deutschen Landesregierung. Nun soll Aygül Özkan der Hamburger CDU zu einem Imagewechsel verhelfen und sie zur Bürgerschaftswahl 2020 aus dem Zustimmungstief holen. Soll sie. Ob sie das kann, ist noch völlig offen – unabhängig von der Schwere der Aufgabe. Denn die 46-Jährige, die 1971 als Kind ehemaliger türkischer Gastarbeiter in Hamburg geboren wurde, Jura studierte und dann wie als Paradebeispiel für gelungene Integration in Politik und Wirtschaft Karriere machte, ist schwer erkrankt.

Dennoch oder gerade deshalb preschten die CDU-Landes- und Fraktionschefs Roland Heintze und André Trepoll vor, verkündeten auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz, dass Özkan ihre Wunsch-Spitzenkandidatin sei und gegen Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) antreten soll – rund 18 Monate vor der Wahl und offensichtlich im Alleingang – kaum einer in der Partei hat davon gewusst.

Erst kurz bevor Heintze und Trepoll sichtlich erschüttert von der Erkrankung Özkans am Sonntag vor die Presse traten, wurden die Bezirksvorsitzenden über deren offensichtlich schon lange getroffene Entscheidung und die Erkrankung informiert – telefonisch. Die Fraktion dann am Montag. Am Dienstagabend wollte der Landesvorstand zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen.

Eine Muslima trotz des C's im Parteinamen ist kein Problem

Mit einer Muslima als CDU-Spitzenkandidatin und Aspirantin auf das Bürgermeisteramt hätten die Fraktionsmitglieder trotz des C's im Namen ihrer Partei kein Problem, hieß es von Teilnehmern der Sitzung. Vielmehr sei Özkan als personifiziertes Ideal der von der CDU gewünschten Integration gelobt und auf ihre Erfahrung in der Wirtschaft und als niedersächsische Sozialministerin verwiesen worden. Nur vereinzelt habe es Bedenken gegeben, dass man konservative Wähler mit ihrer Nominierung vergrätzen könnte, hieß es.

Dass Özkan 2010 gleich nach ihrer Berufung ins Kabinett von Christian Wulff (CDU) mit ihrer Forderung, Kreuze aus Schulen zu entfernen, deutschlandweit für Wirbel sorgte, dürfte manchem Sorge bereiten. Zugleich hätten die Abgeordneten ihrem Vorsitzenden Trepoll versichert, dass auch er es hätte machen können. Er war lange als Spitzenkandidat gehandelt worden und ließ auch keinen Zweifel daran, dass er sich den Job zutraut. Zusammen mit Heintze wurde er vom Landesvorstand mit der Kandidatenfindung betraut. Eigentlich sollte das Ergebnis erst im Herbst vorgelegt werden. Die Verkündung jetzt, noch dazu vor dem Hintergrund der unklaren gesundheitlichen Entwicklung Özkans, macht das Dilemma der Hamburger CDU deutlich.

Von den glorreichen 47-Prozent-Zeiten eines Bürgermeisters Ole von Beust gefühlte Lichtjahre entfernt, dümpelt die CDU nach zwei Wahlen mit historischen Stimmenverlusten in der rot-grün regierten Hansestadt bei 16 Prozent. Trepoll, der bislang sehr auf das klassische CDU-Thema innere Sicherheit setzte, ist es seit der Wahl 2015 und einem Stimmenanteil von 15,9 Prozent nicht gelungen, einen Stimmungstrend herbeizuführen. Zudem sitzt den Christdemokraten bei ihren Kernthemen immer auch die AfD im Nacken.

Deutschlandweit hat die CDU ein Problem in Großstädten

Aygül Özkan könnte für frischen, liberaleren Wind sorgen. Vergleichsweise jung, erfolgreich, regierungserfahren, in der Wirtschaft verankert und Frau – zugleich Migrantenkind und Muslima: Für eine Großstadt wie Hamburg könnte das passen. Es brauche jemanden, „der Hamburg in seiner Vielschichtigkeit und Offenheit gut repräsentieren kann“, weiß auch Heintze.

Alles hängt nun vom Verlauf der schweren Krankheit ab, über die bislang nichts bekannt ist. Deshalb könne sie die „tolle Herausforderung, Hamburgs Erste Bürgermeisterin zu werden“, im Moment nicht annehmen, meinte Özkan. Die Partei will ihr erst einmal Zeit zur Genesung geben. Einen Plan B hat sie nicht.

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