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Offener Brief zu Listenplätzen : Hamburger CDU-Frauen drohen mit Aufstand

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Laut CDU-Spitze sollen die ersten vier Plätze ausschließlich an Männer gehen – Die Bundes-CDU gibt andere Empfehlungen.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2016 | 17:51 Uhr

Hamburg | Hamburgs CDU-Frauen planen die Machtprobe: Eine Gruppe von weiblichen Funktionsträgern in der Hanse-Union will beim Kleinen Parteitag am Donnerstag mindestens eine ihrer Geschlechtsgenossinnen doch noch auf einen aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl hieven. Dafür ist nichts weniger erforderlich als ein Aufstand gegen das männliche Partei-Establishment um CDU-Chef Roland Heintze. Denn laut der der von der CDU-Spitze beschlossenen Vorschlagsliste sollen die ersten vier Plätzen ausschließlich an Männer gehen. Erst dann folgt mit Herlind Gundelach die erste Frau. Ob die 67-Jährige von dort den erneuten Sprung nach Berlin schafft, gilt angesichts der aktuellen Schwäche ihrer Partei als fraglich. Ob sich Gundelach – ehemals Wissenschaftssenatorin in Hamburg und aktuell Bundestagsabgeordnete – sich auf eine Kampfkandidatur einlässt, ist allerdings nicht offen.

Wie bei den Hamburger Christdemokraten üblich hatte der so genannte 17er-Ausschuss kürzlich seine Kandidatenliste formuliert. Die Empfehlung des aus Landesvorstand und Kreisvorständen bestehenden Gremiums ist mehr als eine Vorentscheidung. Zwar hat der Kleine Parteitag das letzte Wort, allerdings wäre ein Abweichen vom Vorschlag des „17er“ ein Affront gegen die Parteispitze.

Dennoch wollen es führende Frauen nun genau darauf ankommen lassen. Grund: Die Bundes-CDU empfiehlt den Landesverbänden, mindestens eine Frau unter die Top Drei der Bundestagslisten zu setzen. Dass die Hamburger Union gegen das verbindliche Quorum verstoßen wolle, sei „weder zeitgemäß noch inhaltlich tragbar“, klagt Marita Meyer-Kainer, Vorsitzende der örtlichen Frauen-Union. Auch die agile Fraktionsvize in der Bürgerschaft, Karin Prien, spricht von einem „gravierenden Vorgang“, der sich nicht wiederholen dürfe.

Beide erwarten, dass der Parteitag die Liste zugunsten von Gundelach abändert. Sie soll hinter den beiden Bundestagsparlamentariern Marcus Weinberg und Rüdiger Kruse auf Platz drei vorrücken, vor Christoph de Vries (bisher 3.) und Christoph Ploß (4.). Ihre Kritik haben die unzufriedenen Frauen inzwischen in einem offenen Brief breit gestreut. Unterzeichnet haben etwa 80 Parteifreunde, darunter auch Männer.

Dennoch gibt sich CDU-Chef Heintze unbeugsam. Er stehe zu der vorgeschlagene Liste. Seine Begründung: „Kompetenz ist wichtiger als das Geschlecht.“

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