Handgranaten und Knaller : Hamburg: Zweieinhalb Jahre Haft wegen illegalen Böllerhandels

Ein 46-Jähriger hortete in Hamburg-Billstedt nicht nur 65.000 Knallkörper. Auch Polizisten sollen Kunden gewesen sein.

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07. Mai 2015, 15:43 Uhr

Hamburg | Das Hamburger Landgericht hat einen 46-Jährigen wegen des Besitzes von mehr als drei Tonnen illegaler Böller sowie von Waffen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Mann in Hamburg rund 65.000 Knallkörper sowie eine Handgranate, Bergbau-Sprengstoff und eine Pumpgun hortete. Hinzu kamen mehrere selbstladende Schusswaffen, eine als Handy getarnte Pistole sowie Tausende Schuss scharfer Munition.

Die nicht zugelassenen Feuerwerkskörper verkaufte der Mann nach eigener Aussage in der Böllerszene. Sie trifft sich etwa auf dem Land, um es lauter und kräftiger krachen zu lassen als erlaubt.

Noch bis zu seiner Festnahme am 30. Dezember 2014 habe er gehofft, die Feuerwerkskörper bis Silvester zu verkaufen, sagte er im Prozess. Die Ware aus Polen, Italien, Holland oder Tschechien sei ihm per VW-Bus nach Hause geliefert worden, Bestellungen erhielt er per SMS. Namen von Lieferanten oder Kunden nannte er keine. Meistens habe er die in Deutschland illegalen Feuerwerkskörper mit so verharmlosenden Namen wie Tiger, Panda oder Bob in seiner früheren Autowerkstatt verkauft. Eine Lizenz dafür hatte er nicht.

Die Käufer der Knaller kamen aus allen Schichten: „Zu den Kunden zählten auch Polizisten in Uniform“, ist die Vorsitzende Richterin überzeugt, „zwei von ihnen kamen den Zöllnern mit frisch gekauften Böllern unterm Arm aus der Werkstatt entgegen“.

Fahnder waren dem Mann durch einen anonymen Hinweis auf die Spur gekommen. Sie hoben seine frühere Autowerkstatt und anschließend auch seine Wohnung im Stadtteil Billstedt aus, wo das Gros der Ware lagerte. Nach dem Fund dort mussten vorsorglich mehr als 200 Nachbarn für die Bergung des explosiven Materials zunächst in Sicherheit gebracht werden.

Anders als ursprünglich angenommen, bestand durch die Tat des wegen des Sprengstoff-, Waffen- und Kriegswaffenrechts Verurteilten aber nur eine abstrakte Gefahr für die Anwohner, wie es in der Urteilsbegründung hieß. Die Feuerwerkskörper waren verpackt, die Waffen weggeschlossen, Bergbau-Sprengstoff und Handgranate hatten keine Zünder eingesetzt.

Warum der gelernte Heizungsbauer außer tonnenweise Feuerwerk auch jede Menge Waffen hortete, blieb bis zum Prozessende unklar. „Sie haben zwei verbotene Neigungen. Den Hang zu Waffen und Militaria sowie die Leidenschaft für nicht zugelassenes Feuerwerk“, versuchte die Richterin eine Erklärung. Da der Mann, der darauf bestand, kein Waffennarr zu sein, die Waffen nicht getragen oder benutzt habe, und die Tat zugab, sei die Kammer unter der Forderung des Staatsanwalts geblieben.

Dieser hatte angesichts der Masse an Knallern und Waffen eine Strafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert. Der Verteidiger kommentierte die Entscheidung gegen seinen nicht einschlägig vorbetraften Mandanten mit den Worten: „Der Staatsanwalt hat sich als Scharfmacher entpuppt, das Gericht hat das zurecht gerückt.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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