Erhöhung der Zahl der Ausbildungsplätze : Hamburg will Lehrermangel vorbeugen und mehr Referendare ausbilden

Ties Rabe (SPD) gibt eine Pressekonferenz. /Archiv
Ties Rabe (SPD) will vorbeugen. So sollen künftig jedes Jahr statt bisher 570 bald 810 Lehrer ihr Referendariat abschließen können.

Lehrermangel ist in vielen Bundesländern ein Problem. In Hamburg aber noch nicht – das betont die Schulbehörde.

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22. November 2018, 15:21 Uhr

Hamburg | Hamburg wappnet sich gegen den drohenden Lehrermangel. Bis 2020 will die Hansestadt rund 40 Prozent mehr Nachwuchs für die Schulen ausbilden und die Zahl der Referendariatsplätze entsprechend erhöhen. 

„Stetig wachsende Schülerzahlen sowie eine stärkere Konkurrenz der Bundesländer um Lehrkräfte machen es notwendig, deutlich mehr Lehramts-Referendare in der Hansestadt auszubilden“, sagte Schulsenator Dies Rabe (SPD) am Donnerstag. 

Hintergrund ist der bundesweit bereits grassierende Lehrermangel. Bis 2030 müssen rechnerisch in Deutschland etwa 32.000 Lehrkräfte eingestellt werden – woher diese kommen sollen, ist weitgehend unklar. Die Elbmetropole stehe zwar noch „vergleichsweise gut da“, befand Rabe. Da die Mangelsituation deutschlandweit aber „immer dramatischere Ausmaße“ annehme, sorge der Senat vor. „Auch durch den erheblichen Notstand in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist uns deutlich geworden, dass wir schnell handeln müssen.“ 

Konkret will Hamburg die Zahl der jährlichen Referendariatsplätze in vier Schritten von 570 auf 810 ausweiten. Die Erhöhung beginnt im kommenden Februar und soll im August 2020 abgeschlossen sein. Die Mehrkosten betragen  3,5 bis 3,8 Millionen Euro pro Jahr.   

Noch hat Hamburg gute Karten im Rennen um Lehramtsaspiranten. Auf einen Referendariatsplatz kommen hier durchschnittlich drei Bewerber, für Gymnasium sogar fünf. Gründe sind laut Rabe die Attraktivität der Stadt für auswärtige Interessenten sowie der Umstand, dass Hamburg „alle Lehrkräfte zügig verbeamtet und ihnen im Vergleich der Bundesländer deutlich bessere Aufstiegsmöglichkeiten bietet“. Der Senator räumte aber ein, dass auch an Elbe die Bewerberzahlen sinken.

Auf der Suche nach Nachwuchs sind auch Quereinsteiger ohne Lehramtsstudium gefragt. Allerdings nur in Fächern mit absoluter Mangelsituation, wie die Schulbehörde betonte. Bisher war das vereinzelt in Physik und Informatik an Gymnasien sowie in den Metalltechnik, Elektrotechnik und Chemietechnik an beruflichen Schulen der Fall. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes und vollwertiges Masterstudium im jeweiligen Fachbereich. 

Weitere Maßnahmen der Stadt gegen Lehrerknappheit ist die Reaktivierung pensionierter Lehrkräfte über Stundenverträge sowie die Aufstockung des Stundenkontingents für Referendare. Diese dürfen mehr als die für die Ausbildung nötigen zehn Stunden pro Woche unterrichten.

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