Kinderbetreuung : Hamburg will Kita-Gebühren drastisch senken

Kitagebühren
Eltern in Hamburg sollen künftig weniger für die Kita bezahlen. Noch steht die Entscheidung der Bürgerschaft aus.

Bis zu 2300 Euro im Jahr können Hamburger Eltern mit Kleinkindern künftig bei den Kita-Kosten sparen. Das letzte Wort hat die Bürgerschaft. Die Zustimmung gilt als sicher.

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18. März 2014, 14:28 Uhr

Hamburg | Hamburg will als erstes Bundesland die Kita-Betreuung für täglich fünf Stunden inklusive Mittagessen kostenlos anbieten. Vom 1. August an würden die Gebühren für die Betreuung der rund 59.000 betroffenen Kinder drastisch gesenkt, erklärte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) am Dienstag. Je nach Einkommen der Eltern lägen die Einsparungen zwischen 27 und 192 Euro im Monat. „Wir sind das einzige Bundesland, das das macht“, sagte Scheele. Rheinland-Pfalz sei in diesem Bereich zwar auch ziemlich weit vorn. „Aber da muss man das Essen bezahlen. Bei uns ist auch das kostenlos.“ Die Kosten betrügen in diesem Jahr rund 31 Millionen Euro und ab 2015 rund 75 Millionen Euro im Jahr. Das letzte Wort hat die Bürgerschaft, deren Zustimmung jedoch als sicher gilt.

Ziel der Entlastung sei es, noch mehr Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder in eine Kita zu geben. „Die Hürde, sein Kind in die Krippe oder die Kita zu schicken, nimmt jetzt noch einmal ab“, sagte Scheele. So werde eine Familie mit einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 2750 Euro bei einem Krippen-Kind um jährlich rund 2300 Euro entlastet.

„Das wird insbesondere in den Stadtteilen helfen, in denen Familien mit nicht so wunderbarer sozialer Lage leben.“ Vor allem dort wolle der Senat die Betreuungsquote in die Höhe treiben. „Denn dort ist es besonders wichtig, dass Kinder möglichst früh in die Krippe gehen, weil Frühförderung bekanntermaßen der wichtigste Hebel ist, um Kinder mit gleichen Sprachkenntnissen in die Grundschule zu bekommen.“ 

In ganz Hamburg liegt die Betreuungsquote im Krippenbereich bei derzeit rund 42 Prozent, im Elementarbereich (Drei- bis Sechsjährige) seien es 96 Prozent. Forderungen des Landeselternrats, das Geld statt in Gebührensenkungen in den Betreuungsschlüssel und die Qualität der Kinderbetreuung zu stecken, wies Scheele zurück. Nach Angaben des Senats ist mit dem kostenlosen Betreuungsangebot für alle Kinder von null bis sechs Jahren das für diese Legislaturperiode geplante Programm abgeschlossen. Seit der Regierungsübernahme der SPD im Jahr 2011 seien die Gesamtaufwendungen von 387 Millionen im Jahr 2010 auf inzwischen 562 Millionen Euro in diesem Jahr gestiegen.

Die Opposition begrüßte die geplante Gebührenreduzierung, mahnte aber gleichzeitig Qualitätsverbesserungen an. „Hamburg hat den schlechtesten Betreuungsschlüssel für Krippenplätze in ganz Westdeutschland“, erklärte die Grünen-Familienexpertin Christiane Blömeke. Eltern erwarteten zu Recht Verbesserungen. FDP-Fraktionsvize Finn Ole Ritter nannte Scheeles Kurs mit Blick auf knappe Ressourcen gefährlich. Der Linken-Familienexperte Mehmet Yildiz betonte: „Der Senat hat nur auf Quantität statt Qualität gesetzt. Das ist reine Verwahrung und hat nichts mit frühkindlicher Bildung zu tun.“

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